Wiedehopf: Nistkasten - Nisthilfen bauen


Veröffentlicht am 25.01.2020 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Wiedehopf: Nistkasten - Nisthilfen



Der Wiedehopf
Der Wiedehopf ist ein Vogel,
der sowohl in Ganz- oder Halbhöhlen jeglicher Art nisten kann, wie zum Beispiel in natürlichen Baumhöhlen, verlassenen Spechthöhlen, Halbhöhlen in Bruchsteinmauern oder Holzstößen, Höhlungen unter Wurzeln und anderen Erdhöhlen. Der Wiedehopf ist eine sehr bedrohte Art in Europa, kommt allerdings nach Polen am zweithäufigsten in Deutschland vor. Gerade diese Entwicklung macht es so wichtig, den Wiedehopf zu schützen.

Stehen natürliche Höhlungen
in der ausgeräumten, oftmals pestizidbelasteten Landschaft nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung, kann man dem Wiedehopf durch das Aufhängen von Nistkästen geeignete Nistmöglichkeiten bieten. Nisthilfen werden an geeigneten Orten gerne angenommen und haben lokale Vorkommen bereits sehr positiv beeinflussen können. Langfristig sollten zum Schutz des Wiedehopfes auch verbliebene Streuostbestände, Bruchsteinmauern, alte Scheunen sowie Feldgehölze mit Bruthöhlen erhalten werden.

Ein Nistkasten wird dann von einem Wiedehopf angenommen,
wenn ihm in unmittelbarer Nestnähe ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Seine Leibspeisen holt er am liebsten aus lockerem, erdigem Boden (zu diesen gehören Werren, Engerlinge von Mai- und Junikäfer sowie die Larven von Nachtfaltern, die er mit seinem langen gebogenen Schnabel aus dem Boden zieht). Der Wiedehopf nistet bevorzugt in Streuobstbäumen (vor allem in alten Apfelbäumen), in der Nähe von Viehweiden oder lichten Wäldern (sehr gerne an Kiefern); gelegentlich ist er auch in Weinbergen vorzufinden.

Material




Vorinformation:
Wichtig ist dem Wiedehopf nicht die letztendliche Form oder Farbe des Nistkastens. Wichtig ist nur, dass der Innenraum etwa den Maßen des oben vorgeschlagenen Materials entspricht (es kann auch durchaus ein alter hohler Baumstumpf oder ein kleineres Fass verwendet werden) und dass das Einflugloch richtig gewählt wird. Das Einflugloch sollte oben eine Breite von 6,5 cm haben und letztlich 10 cm weiter unten spitz zulaufen. Es ist wichtig, dass das Loch keinesfalls zu groß gewählt wird, sonst werden die Kästen nicht angenommen.


Bauanleitung für das Materialbeispiel


Zuerst werden die Bretter auf die angegebenen Maße zurecht geschnitten. Dafür zeichnet man am besten alle Teilstücke mit Bleistift vor und sägt sie dann aus.
Die Außenseite der Vorderwand und die Innenseiten der Innenwände können nun mit einer Raspel aufgeraut werden, so dass die Vögel später einen guten Halt an den Wänden haben. Es muss darauf geachtet werden, dass die Oberkanten der Seitenwände sehr gleichmäßig gesägt und abgeschliffen sind, so dass später das Dach dicht aufliegen kann. In die Bodenplatte bohrt man etwa 2-4 Löcher mit ungefähr 6 mm Durchmesser, um den Wasserablauf zu ermöglichen.

Hat man nun alle Teilstücke vor sich,
kann man mit dem Zusammenbau beginnen. Zuerst sollte man auf die Klappe das Einflugloch zeichnen und anschließend der Zeichnung entsprechend bohren. Nun vernagelt man die Seitenwände und die Rückwand mit dem Boden. An die Seitenwand wird nun mit den angebrachten Scharnieren die Klappe montiert.
Zuletzt wird das Dach, das man durchaus durch eine Folie gegen Verwitterung schützen kann, aufgesetzt.

Anbringung:
Der Kasten sollte 0,5 – 7 Meter über dem Boden aufgehängt werden. Da die Kästen relativ groß sind, ist es schwierig, den Kasten direkt an den Stamm eines Baumes zu hängen; besser ist es, den Kasten auf zwei Ästen eines Baumes anzubringen, oder einen geeigneten Platz auf einer Natursteinmauer zu finden. Es ist darauf zu achten, dass er auf der wetterabgewandten Seite befestigt wird. Der Kasten sollte bis spätestens Mitte März aufgehängt sein, um bezogen zu werden. Man sollte sich aber nicht wundern, wenn statt eines Wiedehopfs Waldkauz, Rauhfußkauz, Sperlingskauz, aber auch Hohltaube den Nistkasten beziehen. Diese Arten nisten ebenfalls gerne in solch großen Kästen.

Pflegetipps:
Die Außenseiten kann man mit Leinöl (zur natürlichen Imprägnierung) einstreichen. Als zusätzlichen Schutz kann man das Dach auch mit einer wasserfesten Folie überziehen. Im Kasten kann man Wellpappe am Boden und teilweise an den Seitenwänden anbringen, so lässt sich der Kasten einfach reinigen.
Der Kasten sollte einmal im Jahr gereinigt werden. Am besten erledigt man das im Spätsommer (September/Oktober). Dabei reicht es, den Kasten grob von Schmutz zu befreien.

Zusatztipp:
Anders als bei den meisten Vögeln sind die Wiedehopfe selbst bei knapp über dem Erdboden befindlichen Brutplätzen keine Beute für Marder. Das verdanken sie ihrer speziellen Marderabwehr: Sollte ein Marder versuchen, in den Brutraum des Vogels einzudringen, spritzen sowohl das Weibchen als auch die Jungen dem Fressfeind den Inhalt des Darms entgegen. Zusammen mit dem übel riechenden Sekret der Bürzeldrüse bedeutet dies eine äußerst wirksame Abwehrstrategie.

Seien Sie beim Nistkastenbau nicht überperfekt!
Wir Deutschen neigen manchmal zur Perfektion. Wenn hier in den Bauanleitungen die Länge und Breite der Kästen und die Eingangslöcher in Millimetern angeben werden, dann ist das kein Grund, sich perfekt an diese Maße zu halten.

Vögel brüten in der Natur an den ungewöhnlichsten Orten
Wenn Vögel nur in Kästen brüten würden, die genau die hier angegebenen Maße haben, dann wären sie alle schon lange ausgestorben. Nehmen Sie die Maße der Kästen und die Durchmesser der Einfluglöcher als ungefähre Anhaltspunkte. Schreinern Sie, töpfern Sie, schneiden Sie Astquirle, nehmen Sie auch andere Naturmaterialien und seien Sie kreativ wie die Natur in ihrer Vielfalt.

Wer einmal einen Nistkasten gebaut und aufgehängt hat
und wer Vögel und Natur beobachtet, wird langfristig auch erkennen, dass der Bau von Nisthilfen nur ein erster, kleiner Schritt ist, denn das massive Vogelsterben in Deutschland und die Bedrohung von Vögeln, Natur und Umwelt erfordern weitergehende Schritte. Auf diesem Wege lernt man, dass Natur in Gärten, Wälder, Städte und Dörfer zurückgebracht werden muss und dass Vogel-, Natur- und Umweltschutz langfristig auch dem Menschen dient und nutzt. Gerade Gartenfreunde können einiges zum Vogelschutz beitragen. Naturnahe Brutstätten finden Höhlenbrüter überall dort, wo es im Garten ein wenig „unordentlich“ ist. Alte, morsche Bäume, abgestorbene Äste, Hecken, „Wildnisecken“ und der Verzicht auf Gift gehören bei einem lebendigen, naturnahen Garten dazu. Es ist wichtig und sinnvoll sich für Natur und Umwelt zu engagieren.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein