DDR - Südbaden: Proteste, Aktionen & Erinnerungssplitter am Tag der Deutschen Einheit 2019


Veröffentlicht am 30.09.2013 in der Kategorie Krieg & Frieden von Axel Mayer

Hintergrund: DDR – Südbaden: Protest, Aktionen & Erinnerungssplitter am Tag der Deutschen Einheit 2019


Jedes Jahr finden die „offiziellen“ Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit statt, Grund genug, Erinnerungssplitter an lang zurückliegende Proteste, Aktivitäten & Träume auszugraben.
Südbaden ist die Ecke Deutschlands, die schon geographisch am weitesten von der ehemaligen DDR entfernt liegt und dennoch gab es auch schon vor dem großen Wandel gemeinsame Treffen, Proteste, illegale Aktivitäten & Träume von Frauen und Männern, Umweltschützern, Friedensaktivisten und Kulturschaffenden in Südbaden und der DDR, an die sich heute die wenigsten erinnern.

Eines der schönsten Beispiele für die damals illegale Zusammenarbeit lag bisher verborgen im Plakatschrank des BUND in Freiburg. Es sind zwei Plakate, die vor der Wende illegal in der DDR und in Südbaden geklebt wurden. Mit einem fast gleichen Text kündigten die „Kanadischen Streitkräfte in Europa, Standortkommando Lahr" und der „Oberkommandierende der sowjetischen Streitkräfte des Ostens“ mit einem „gut gefälschten“, offiziell wirkenden Plakat den baldigen Abzug des Militärs und die Hoffnung auf eine militärfreie Zukunft an. Der Abzug der kanadischen Streitkräfte in Lahr und der Abzug der Sowjetstreitkräfte war zum Zeitpunkt der Plakatierung eine ziemlich unrealistische, traumtänzerische Vision einiger Friedensbewegter, eine Vision, die dann in unglaublich schneller Zeit Realität wurde. (Dass auf dem DDR-Plakat der alte Anarchist und Gegner des Sowjetsystems Michael Bakunin zum Oberkommandierenden der Sowjetstreitkräfte gemacht wurde, ist ein hübsches Detail der damaligen, riskanten Frechheit...)

Die Plakate drücken aber auch einen Gedanken der damals Bewegten aus, der an Tagen der Deutschen Einheit gerne vergessen und verdrängt wird. Es ging den damals Aktiven nicht um „Anschluss“, sondern um Einheit und demokratischen Wandel, um Ökologie und Frieden in Ost und West.

Auch riskante Schmuggelfahrten mit illegaler Literatur, mit Umweltanalysekoffern und anderen verbotenen Dingen in die DDR und die baltischen Staaten wurden von Südbaden aus durchgeführt. Viele Kontakte von Umwelt- und Friedensbewegung zwischen Ost und West liefen auch über die evangelische Kirche, in deren Rahmen solche Kontakte und Treffen (häufig in der ehemaligen Tschechoslowakei) möglich waren.

Der Freiburger Autor und Liedermacher Walter Mossmann projizierte die Idee vom Dreyeckland («es hat keine Grenzen sondern fließende Übergänge») auf die damals real existente und am schärfsten bewachte Grenze Europas, den Eisernen Vorhang, der an der Elbe die BRD von der DDR trennte, also auch Gorleben von Morsleben. In seinem im deutschen Sprachraum weithin bekannten gewordenen «Lied vom Lebensvogel» sang er schon 1978:

„Da, wo die Elbe rauskommt aus dem Zaun, der unter Strom steht und schießt,
da, wo die Elbe n’Zaun lang durch die grüne Stille fließt,
steht dreiunddreißig Jahre, viel zu lange schon,
eine zerbrochne Brücke als Sinnbild der Region,
wo rechts und links vom Wasser verwandte Menschen wohn’,
für die der Fluss so breit wie n’Weltmeer ist.
Da denk ich an den Oberrhein, die Grenze zwischen Wyhl und Marckolsheim –
Warum soll so’n Zusammenschluss hier ausgeschlossen sein?
Die Herrn in Ost und West spielen mit uns ein schlimmes Spiel,
schau, unter unsern Füßen brennt derselbe heiße Müll,
und doch sind uns die Nachbarn drüben fremd, «das Land ist still»
noch ist es still, noch ...
So sing doch, Vogel, sing ...“

(Mit der Wendung «das Land ist still» zitierte Mossmann das Lied «Noch» (1968) seines damaligen Freundes Wolf Biermann aus Ostberlin
«Eine zerbrochne Brücke»: gemeint ist die alte Eisebahnbrücke von Dömitz)


Erinnerungssplitter von Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat und Vizepräsident beim Trinationalen Atomschutzverband TRAS

Dank:
Mein Dank geht stellvertretend für viele Andere an den Friedens- und Umweltaktivisten Josef (Sepp) Hugelmann aus Schuttern, an einen tatkräftig-realistischen Visionär, der vor längerer Zeit einmal „ziemlich viel Stress“ wegen einer illegalen Plakatierung im Bereich Lahr hatte...
 

Deutsche Einheit: Ein Plakat der Friedensbewegung in der DDR






Mitwelt Links zum Themenbereich Krieg, Frieden, neuer Kalter Krieg, Kapitulation in Afghanistan, nukleare Teilhabe & massive deutsche Aufrüstung


Aktuell & Wichtig:


Massive Aufrüstung in Deutschland 2020 / Rüstungsausgaben NATO - Russland
Insgesamt lagen die Militärausgaben der 29 NATO-Mitgliedsstaaten 2019 bei etwa 1.035 Milliarden US-Dollar (circa 958 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Russlands Ausgaben lagen im selben Jahr bei 65,1 Milliarden US-Dollar.
2019 gab es laut dem internationalen Friedensforschungsinstitut in Stockholm den höchsten Anstieg der weltweiten Militärausgaben seit 2010 auf weltweit 1.917 Milliarden US-Dollar. Das sind sind 2,2 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts oder rund 2.400 Dollar pro Kopf der Erdbevölkerung. Mit einer Steigerungsrate der Militärausgaben von über 10 Prozent gegenüber 2018 ist Deutschland der aktuelle Aufrüstungsweltmeister.
Die Rüstungsausgaben der Bundesrepublik stiegen unter den größten 15 Rüstungsnationen weltweit innerhalb der Jahresfrist am meisten: Von 2018 bis 2019 um rund zehn Prozent auf 49,3 Milliarden Dollar.
Mit den zusätzlichen Rüstungskosten in einem einzigen Jahr ließe sich die Grundrente fast drei Jahre finanzieren. Aber für die Grundrente ist "kein Geld" da, sagen Konservative & Liberale.
Mehr Infos: Aufrüstung

Aktueller Neusprech-Einschub


Nukleare Teilhabe oder atomare, deutsche Dienstbotenschaft?
Im Kriegsfall müssen die "Teilhabe"staaten Nuklearwaffen unter US-amerikanischer Kontrolle einsetzen. Das Konzept der nuklearen Teilhabe sieht vor, dass die in den nichtnuklearen Staaten gelagerten Nuklearwaffen im Frieden stets unter US-Hoheit bleiben sollen und dass dies auch im Kriegsfall bis zu ihrer Zündung der Fall sein soll. Über die nötigen Codes verfügt demnach nur die US-Führung; sie unterliegen strengster Geheimhaltung.
Das was uns in Orwellschen Neusprech als Nukleare Teilhabe verkauft wird ist einfach nur ein mörderischer Dienstbotenjob!











Mitwelt-Warnungen 2020 & Hinweise zu diesen Seiten...


  • 1) Diese Internetseiten der Mitwelt Stiftung Oberrhein sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
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  • 3) Im Zweifel ist die -Allgemeine Erklärung der Menschenrechte- immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein

Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafner Nacht)




Nachtrag 1: Aktueller Corona-Einschub


Leider irrte Hölderlin als er schrieb:
"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch" Neben dem "Rettenden" wächst leider auch das Neurotische, die Gier & die Dummheit, Sündenbocksuche, private & staatliche Verschwörungstheorien und Sündenbocksuche (Trump, Murdoch, Bild-Zeitung...), Blockwart-Mentalität & die kleinen & großen Nationalismen...
Umso wichtiger ist der Dank an die vielen engagierten, solidarischen, helfenden Menschen, die in Corona-Zeiten nicht in mittelalterliches Denken & Handeln zurückfallen.
Corona zeigt auch die massiven Probleme von Gesellschaftssystemen, in denen die Gesundheitssysteme privatem Profitstreben unterworfen sind. Experten rechnen bis Ende Juli mit fast 150.000 Corona-Tote in den USA. Das libertäre amerikanische System der organisierten Gier versagt in Corona-Zeiten.

Nachtrag : iHuman - Ziemlich wichtiger Arte-Film


Seit Jahren beschäftigt und beunruhigt mich das Thema Transhumanismus, der organisierte Traum den menschlichen Menschen zu überwinden. Es ist die Idee mit Hilfe von Technikoptimismus, libertärem und neoliberalem Denken, Gentechnik, Nanotechnologie, Eugenik und künstlicher Intelligenz den „alten Menschen“ abschaffen und einen „neuen Menschen“ schaffen.
Der Film „iHuman“ von Tonje Hessen Schei zeigt, was Anhänger der künstlichen Intelligenz erträumen. Es ist eine nahe Zukunft, in der die Macht Maschinen gehört. Ein Albtraum und ein Thema, das die Umweltbewegung bisher verdrängt...
Hier geht´s zum Arte- Film iHuman verfügbar vom 20/04/2020 bis 19/07/2020