Alte Obstbäume & Streuobstwiesen & "kleine Landwirtschaft": bedroht & erhaltenswert!


Veröffentlicht am 02.01.2020 in der Kategorie Natur & Naturschutz von Axel Mayer

Alte Obstbäume & Streuobstwiesen & "kleine Landwirtschaft": bedroht & erhaltenswert!





Alte Obstbäume & Streuobstwiesen (nicht nur) am Kaiserstuhl sind...

... sind eine Zierde der Landschaft,
... sind oftmals eindrucksvolle Baumgestalten,
... gehören seit alters zum Bild des Kaiserstuhles,
... bieten wertvollen Lebensraum für zahlreiche Lebewesen,
... und bringen auch noch Ertrag.

Sie sind erhaltenswert!

Obstbäume als Wirtschaftsfaktor
Am und im Kaiserstuhl prägen ausgedehnte Obstanlagen das Bild der Landschaft, teils in Form moderner Intensivanlagen, teils in massiv schwindender Form traditioneller Hochstamm-Bäume. Mit seinen Zehntausenden von Kirsch-, Zwetschgen-, Kernobst- und Nussbäumen gehört der Kaiserstuhl zu den wichtigsten Obstanbaugebieten Deutschlands. So ist der Erwerbsobstbau am Kaiserstuhl neben dem Weinbau für viele Betriebe ein wichtiges wirtschaftliches Standbein.

Obstbäume und Landschaftsbild
Die Obstbäume haben aber nicht nur wirtschaftliche Funktion: Besonders zur Zeit der Baumblüte, aber auch in der Herbstfärbung und selbst im kahlen Zustand bereichern sie das Landschaftsbild. Sie stellen eine Hauptattraktion des Kaiserstuhles zur Zeit der Frühlingswanderungen dar. So sind die Obstbäume auch unter dem Aspekt Tourismus und Attraktivität der Kaiserstühler Landschaft von Bedeutung, nicht zuletzt in den durch Flurbereinigung monotoner gewordenen Bereichen.

Woher kommen die Nöte der kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe?


* Weil zumeist unter CDU- & CSU-Landwirtschaftsministern, politisch gewollt, seit 1949 in Baden-Württemberg 75 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe verschwunden. Bundesweit gab es einen Rückgang von 42 Prozent innerhalb der letzten 17 Jahre...
* Weil z. Bsp. billige, umweltschädlich erzeugte Kirschen aus der Türkei nach Deutschland importiert werden und weil genau diese ungeregelte Form der Globalisierung von CDU, CDU & FDP politisch gewollt ist..

Wer für den Erhalt von Obstbäumen & Streuobstwiesen & "kleiner /mittlerer Landwirtschaft" ist muss sich einsetzen:
• für eine ehrliche Wertschätzung bäuerlicher Arbeit
• für gerechte Preise und ein ausreichendes Einkommen
• für einen flächendeckenden Arten-, Klima- und Wasserschutz
• für eine besonders artgerechte Tierhaltung
• für eine Reform der Agrarpolitik, welche die Vielfalt der Bauernhöfe absichert
• für Regeln im Marktgeschehen, die den Absturz von Erzeugerpreisen verhindern
• für eine Offensive, die Existenzgründungen in der Landwirtschaft fördert
• für Welthandel, der die Menschenrechte achtet und Dumping ausschließt
• für faire Arbeitsbedingungen in der gesamten landwirtschaftlichen Lieferkette
• für ein neues gemeinsames Miteinander von Stadt und Land

Mehr Infos: Bauernsterben, Obstbaumsterben, Artensterben

Obstbäume und Naturschutz
Bei jüngeren und mittelalten Bäumen ist der wirtschaftliche und der ästhetische Wert unstrittig, ihre Bedeutung für den Natur- und Artenschutz ist jedoch eher gering. In dem Maße aber, wie die Bäume alt werden, ja überaltern, wird ihr ökologischer Wert immer größer. Sie bieten dann zunehmend Lebensraum und „ökologische Nischen“ für speziell angepasste Lebewesen. Tote Ast- und Stammpartien, ausgefaulte, mulmgefüllte Baumhöhlen und Spechtlöcher, lockere Rindenpartien und Baumpilze: all das sind kleine Sonderbiotope, die bedrohten, teils interessanten und attraktiven Arten Lebensmöglichkeiten bieten. So sind gerade die alten Obstbäume unter Naturschutzgesichtspunkten besonders wertvoll und interessant. Sie sollten daher gerade in einem so wertvollen Naturraum wie dem Kaiserstuhl erhalten und geschützt werden.


Wertvolle Kleinstrukturen und Spezialbiotope an alten Obstbäumen
mit zugehörigen Bewohnern:


*Wiedehopf: Der spektakuläre Höhlenbrüter ist im Kaiserstuhl auf Nisthilfen angewiesen, weil er keine geeigneten Höhlenbäume findet.
*Gartenrotschwanz: Der hübsche Singvogel ist Halbhöhlenbrüter und eine Charakterart von Streuobstgebieten.
*Steinkauz: Kleine, höhlenbewohnende Eulenart, die selten geworden ist, nicht zuletzt wegen Wohnungsmangel.
*Hornissen: Als Vertilger von Fliegen und Wespen nützliche und friedliche Insekten, die gern hohle Obstbäume besiedeln.
*Rosenkäfer: Die Larven der leuchtend grünen Käfer entwickeln sich im Mulm von Baumhöhlen.
*Der Körnerbock: ein großer Bockkäfer, der im toten Holz alter Obstbäume lebt. Die wärmeliebende Art ist sehr selten und kommt in Deutschland vor allem im Südwesten vor.
*Goldwespe: Eine prächtig schillernde Art, die parasitisch bei Wildbienen in altem Holz lebt.

Nicht jeder überaltete Obstbaum kann beliebig lange stehen bleiben. Manche sind tatsächlich "im Wege", stören bei der Neubepflanzung oder stellen eine Gefährdung dar. An vielen Stellen können sie jedoch problemlos stehen bleiben, z.B. in Streuobstbeständen, an Böschungen und Rainen, in Wegzwickeln und am Gebüschrand.

Wir appellieren an die Besitzer solcher Bäume: Geben Sie dem Baum großzügig noch einige Jahre, freuen Sie sich über seine Blüten, seine Gestalt und über interessante Beobachtungen. Seien sie sicher: An und in ihm herrscht vielfältiges Leben von Arten, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind. Spezialisten bewohnen Baumhöhlen, tote Äste und Baumpilze oder leben unter abgestorbenen Rinden und im Holzmulm. Viele sind unscheinbar, manche bunt und auffällig, und nicht wenige sind bedrohte Seltenheiten.

Auch wenn ein solcher Baum abstirbt, stellt er noch einen wertvollen Lebensraum dar und sollte nicht in jedem Fall beseitigt werden. Für gesunde Obstbäume, die genutzt werden, stellen die "Totholzbewohner" keine Gefahr dar, aber im Gefüge der Lebensgemeinschaften sind sie wertvolle Teile.

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein




Nachtrag:
Es war natürlich ein Blödsinn zu glauben, mit einem Flyer und einem Text zu den "Alten Obstbäumen am Kaiserstuhl", die Baumfällarbeiten und die Zerstörungsprozesse zu stoppen. Fahren Sie einmal mit offenen Augen durch die ehemaligen Hochstammregionen am Nördlichen Kaiserstuhl. Wuchernde Neubaugebiete um die Gemeinden, Billigkirschen aus der Türkei und ein Verfall der Kirschpreise der nur noch Idealisten auf die gefährlichen hohen Leitern steigen lässt, haben den alten hohen Kirschbäumen den Garaus gemacht. Die wunderbaren, letzten, großen Nussbäume sind massiv durch eine neue Krankheit bedroht. Fortschritt ist eben auch am Kaiserstuhl fast immer Zerstörung.




Infosammlung 2020: Natur, Naturschutz & Naturgebiete, in Südbaden, im Elsass und am Oberrhein



Aktuell & wichtig!


Flächendeckend stirbt der Wald. Wer da noch von "Waldumbau" redet, der verharmlost und lügt. Wir erleben aktuell ein Waldsterben 2.0 welches das Waldsterben in den 80er Jahren des letzten Jahrhundert bei weitem übertrifft. In den 80er Jahren gab es massive Aktionen, Demos & Proteste der Umweltbewegung. Doch wo ist die Protestbewegung gegen das Waldsterben 2.0? Angesichts der Dimension der Schäden genügt es nicht die Proteste an Fridays for Future zu delegieren!" Angesichts von Waldsterben und Artenausrottung ist die Naturschutzbewegung erschreckend brav.
Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein










Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Artensterben




Aktuell:


Insektenrückgang weltweit - in Deutschland besonders stark


Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien im Jahr 2020 zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten zurückgeht. Sie sank in 30 Jahren um fast ein Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt die bislang umfassendste Meta-Analyse von Insektenbeständen an 1676 Orten weltweit. Die Studieist in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" erschienen.
Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen (Individuen, nicht Arten) zu untersuchen. Diese Daten wurden im Zeitraum zwischen 1925 und 2018 erhoben. Die komplexe Analyse offenbarte große Unterschiede in den lokalen Trends - selbst zwischen nahe gelegenen Orten. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen. 
Im globalen Durchschnitt gingen landlebende Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 % pro Jahr zurück.
Erstautor Dr. Roel van Klink, der bei iDiv und der UL forscht, sagt: "0,92 Prozent klingt vielleicht nicht nach viel, aber es bedeutet 24 Prozent weniger Insekten über 30 Jahre und sogar eine Halbierung über 75 Jahre. Der Rückzug der Insekten findet leise statt - in nur einem Jahr bemerken wir das nicht. Es ist wie wenn man an den Ort zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Nur wenn man jahrelang nicht dort war, bemerkt man, wie viel sich tatsächlich verändert hat - leider oft zum Schlechteren."
Die Insekten-Rückgänge waren in Teilen der USA sowie in Europa, insbesondere in Deutschland, am stärksten. In Europa verstärkten sich die negativen Trends in den letzten Jahren - die größten Rückgänge wurden seit 2005 beobachtet.
Quelle: www.sonnenseite.com



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Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer