thetext
druckenSeite zurück     druckenDiesen Artikel drucken (Druckansicht)

Krebs, Kinderkrebs & Atomkraftwerke / AKW / KKW / Kernenergie, Krebsrisiko (auch für AKW-Arbeiter), weniger Mädchengeburten


Krebs, Krebsrisiko, AKW und Atomanlagen


Süddeutsche Zeitung: Auch kleine Dosen von Radioaktivität können Krebs auslösen.
"Eine Untersuchung von gut 300000 Mitarbeitern der Atomindustrie zeigt jetzt, dass das Risiko für Leukämie schon bei kleinen Strahlungsmengen besteht und mit der Dosis linear ansteigt. Dieser Zusammenhang galt vielen Experten als plausibel, war aber schwer zu belegen. Darum debattierten Forscher immer wieder, ob es eine Schwelle gebe, unter der die Strahlung ungefährlich ist, oder ein Plateau, so dass kleinste Dosen in einem bestimmten Bereich die gleiche Mindestwirkung haben.

Forscher der Internationalen Krebs-Agentur in Lyon haben nun Daten von 308000 Nukleararbeitern, darunter 40000 Frauen, aus Frankreich, Großbritannien und Amerika analysiert. Ihre Gesundheit war durchschnittlich 27 Jahre lang kontrolliert worden. Die Probanden hatten im Mittel 1,1Milligray pro Jahr abbekommen, etwa 16Milligray in ihrem Berufsleben. Das Risiko, an Leukämie zu sterben, vervierfacht sich laut der Berechnung bei Absorption von einem ganzen Gray, für die Arbeiter war es also im Mittel um knapp fünf Prozent angestiegen (Lancet Haematology, online)."

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 23. Juni 2015, Seite 16


Aus einer Studie, die das Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007
veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten. Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten Akw-Standorten.
Es ist davon auszugehen, dass Krebs nicht nur bei Kleinkindern auftritt, sondern dass auch Kinder und Erwachsene betroffen sind – deren Erkrankungsraten wurden bisher allerdings weltweit noch nicht in einer vergleichbaren Weise systematisch untersucht.

Jetzt ist die Atomlobby dabei das zu tun was sie in solchen Fällen immer tut
Mit allen (nicht nur finanziellen) Mitteln wird die Studie, an der auch AKW Befürworter mitgearbeitet haben, diskreditiert und die Forscher angegriffen. Wie immer wettert auch der Atom- und Genlobbyist Michael Miersch in derkonservativen Zeitschrift Welt gegen die sachlichen Argumente. Ähnlicher Strategien bediente sich bisher auch immer die Gentechlobby. Dies ist kein Wunder, schließlich arbeiten zu beiden Themenbereichen die gleichen PR-Agenturen, wie z. Bsp. Burson Marsteller.

In einem AKW entsteht in einem Jahr
pro Megawatt Leistung ca. die kurz- und langlebige Radioaktivität einer Hiroshimabombe. Das heißt, in einem AKW mit 1200 MW Leistung entsteht die Radioaktivität von ca. 1200 Hiroshimabomben. Ein Teil dieser Radioaktivität zerfällt nach relativ kurzer Zeit. Manche radioaktiven Stoffe ("Isotope") zerfallen in wenigen Jahren (z.B. das klimaschädliche Krypton-85: 10,76 Jahre Halbwertzeit). Andere radioaktive Gifte haben extrem lange Halbwertszeiten (z.B. Jod-129: 17 000 000 Jahre). Kein Wunder, dass ein AKW im "Normalbetrieb" trotz aller Filter auch Radioaktivität an die Umwelt abgibt.

Radioaktivität im so genannten Normalbetrieb
Im Neusprech der Atomkonzerne werden Atomkraftwerke häufig als "abgasfrei" bezeichnet. Doch Atomkraftwerke geben auch im so genannten Normalbetrieb über den Kamin, das Maschinenhaus und das Abwasser radioaktive Stoffe an die Umwelt ab. Jede noch so geringe radioaktive Strahlung kann Krebs auslösen. Die Grenzwerte für erlaubte Radioaktivitätsabgabe des Atomkraftwerks Fessenheim zum Beispiel liegen bei 925 Milliarden Becquerel/Jahr für radioaktives Material und 74.000 Milliarden Becquerel/Jahr für Tritium (laut einer dpa-Meldung). Die erlaubte "Entsorgung durch Verdünnung", die schleichende Verseuchung über den Kamin und das Abwasser, ist ein Skandal. Dort wo die Wikipedia Seiten von der Atomlobby beeinflußt werden, heißt der Schornstein der AKW sehr häufig im schönsten orwellschen Neusprech "Abluftkamin".

Krebs im ganzen Brennstoff"kreislauf"
Ein Risiko an Krebs zu erkranken gibt es nicht nur in der Nähe von Atomkraftwerken sondern in der ganzen Brennstoffkette. (Uranabbau, Urananreicherung, Fertigung der Brennelemente, AKW, Zwischenlager, Wiederaufarbeitung, Endlager, Transporte...)

Deutlich wird das Krebsrisiko
insbesondere beim Uranbergbau. Für jede Tonne verwertbares Uranerz fallen bis zu 2000 Tonnen strahlender, umweltbelastender Abraum an. Das beim Uranbergbau verstärkt entweichende Radongas macht die Bergwerksarbeiter und AnwohnerInnen krank. Ein Beispiel ist der Uranabbau der "Wismut" in Ost-Deutschland: Auf Grund der hohen Strahlenbelastung in diesen Gebieten traten dort verstärkt Krebserkrankungen auf. Allein rund 7.000 Lungenkrebsfälle sind dokumentiert. Insgesamt gehen Schätzungen von mehr als 20.000 Opfern im deutschen Uranabbau aus. Die Sanierung der deutschen Urangruben der Wismut hat die SteuerzahlerInnen 6,5 Milliarden Euro gekostet. Die gesundheitlichen Folgen des Uranabbaus in den Ländern der Dritten Welt sind verheerend.

Weniger Mädchengeburten in der Umgebung von AKW?

Die Schweizer Zeitung WOZ berichtete am 18.11.2010:
„Rund um deutschen und Schweizer Atomanlagen fehlen Tausende von Kindern – insbesondere Mädchen. Konkret ist die Rede von bis zu 20.000 Mädchen, die in den letzten vierzig Jahren «verloren gegangen sind», weil ihre Mütter während der Schwangerschaft in der Umgebung von AKWs gelebt haben. Das belegt eine soeben erschienene Studie (vgl. Interview). Sie dürfte die Atomdebatte neu befeuern: Bislang wusste man aufgrund der deutschen Kinderkrebsstudie, dass in der Nähe der Atommeiler überdurchschnittlich viele Kinder an Leukämie erkranken. Die neue Studie legt nun aber nahe, dass das Problem noch gravierender ist und Embryonen so stark geschädigt werden können, dass sie absterben.“

"Nach der erhöhten Krebsrate rund um das marode Atommülllager Asse sorgen nun auch Auffälligkeiten bei den Geburten für Unruhe. In der Asse-Gemeinde Remlingen sind deutlich zu wenig Mädchen zur Welt gekommen. Das geht aus einer statistischen Auswertung für die Jahre 1971 bis 2009 hervor, an der unter anderem der Mathematiker Hagen Scherb vom Helmholtz Zentrum München beteiligt war. Vor allem zwischen 1971 und 1979 - während der Betriebsphase der Asse - sind nach den Daten viel weniger Mädchen geboren worden als statistisch zu erwarten sind.
121 Jungen und 85 Mädchen kamen in diesem Zeitraum in dem Ort Remlingen zur Welt. Linke und SPD im Landtag forderten am Mittwoch, möglichen Zusammenhängen zwischen den geringen Mädchengeburten und radioaktiver Belastung nachzugehen." berichtet am 9.12.2010 die Welt.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer /


Aktueller Einschub



Atommülllager Schweiz in Grenznähe am Hochrhein / 24.11.2017


Wie der BUND-Regionalverband schon vor vielen Jahren "vermutet" hatte, ist die Schweiz in Sachen Endlager wieder bei den Ausgangsstandorten in Grenznähe angekommen. Beim so genannten Auswahlverfahren ging es nicht um eine Standortauswahl, sondern um Durchsetzungsstrategien und Akzeptanzschaffung. Je direkter die Demokratie, desto besser die Durchsetzungsstrategien für ein Atommülllager. Wir brauchen ein „möglichst sicheres“ Endlager, denn die die Menschheit ist zu unzuverlässig um Atommüll dauerhaft überirdisch zu lagern.

Eine zentrale Frage wird gezielt nicht diskutiert:
Im internationalen Vergleich verfügen die jetzt diskutierten Standorte nur über sehr schmale Schichten von Opalinuston. Diesen, für Sicherheitsfragen so wichtigen, internationalen Vergleich scheut die Schweizer Atomlobby wie der Teufel das Weihwasser. Geschickt haben die Durchsetzungsstrategen des Atomlagers diese zentrale Sicherheitsfrage bisher aus der (veröffentlichten) Diskussion herausgehalten.

Wir brauchen ein „möglichst sicheres“ Endlager, denn die die Menschheit ist zu unzuverlässig um Atommüll dauerhaft überirdisch zu lagern. Die geologischen Sonderbedingungen der Schweiz (wachsende Alpen , dünner Opalinuston...) erlauben es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, hochradioaktiven Atommüll eine Million Jahre sicher zu lagern. Plutonium hat eine längere Halbwertszeit als Nationalstaaten.

Axel Mayer, Vizepräsident TRAS
Mehr Infos zum Thema Atommüll Schweiz


Aktuell & Wichtig:


Ein Arte-Film zum Thema Atomterrorismus, der auch jedes deutsche AKW treffen könnte.




Leuchtpol, ANU, Kinderkrebs und Atomgeld


Die Umweltbewegung einfach kaufen
und sich so ein grünes Image schaffen. Während dieser Ansatz der Atom- und Kohlekonzerne bei den Umweltverbänden bisher gescheitert ist, ( sie „au fil du rhin“) hat zumindest die ANU (Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung) der Verlockung des großen Geldes nicht stand gehalten. Mit einer Summe von 27 Mio. Euro sponsert der Atom- und Kohlekonzern E.ON das so genannte Leuchtpol „Umweltbildungsprojekt“ der ANU. Ein erfolgreiches Beispiel für Greenwash ist das Projekt Leuchtpol auf jeden Fall.
  • Wie empört wäre die Umweltbewegung, wenn die Atomparteien FDP, CDU und CSU sich offiziell ein "Projekt" mit 27 Mio. Euro von E.ON sponsern lassen würden?
  • Wie still ist die Umweltbewegung, wenn sich ein Umweltbildungsverband von E.ON mit 27 Mio. Euro sponsern lässt?

Die 27 Millionen Euro für Leuchtpol entsprechen in etwa dem Zusatzgewinn, den E.ON innerhalb von 27 Tagen für ein einziges gefahrzeitverlängertes 1.000-Megawatt-AKW erzielt. Das Leuchtpol-Projekt wendet sich insbesondere an Kindergartenkinder. Kindergartenkinder in der Nähe von Atomanlagen sind von der Strahlung der AKW besonders betroffen. Aus einer Studie, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. ANU; Leuchtpol-Info

Schwangere, hütet euch vor AKWs!
"Der Hauptübeltäter ist nach Meinung von Ian Fairlie das Tritium. Das ist radioaktiver Wasserstoff, dessen Atome so winzig sind, dass sie durch Beton und Stahl gehen. Tritium entsteht in allen Reaktoren. (...) Das Unangenehme an Tritium: Es setzt sich in normalen Wassermolekülen gerne an die Stelle von nichtradioaktiven Wasserstoffatomen – wodurch das Wasser selbst radioaktiv wird. Nehmen Menschen Tritium durch Essen, Trinken oder Atmen auf, dann baut es der Körper in die Zellen ein.
«Gefährlich ist es vor allem während der Revision», sagt Fairlie, «einmal im Jahr müssen sie in den Atomkraftwerken den Reaktordeckel öffnen, um die Brennstäbe zu wechseln. In diesem Moment entweicht viel Tritium, denn es gibt keine Möglichkeit, den Stoff zurückzuhalten.» Die normale Hintergrundstrahlung in der Umgebungsluft liegt bei einem AKW bei etwa fünf Becquerel pro Liter, sagt Fairlie: «Während der kurzen Spitzenbelastung, wenn der Reaktordeckel geöffnet wird, kann sie fünf Millionen Becquerel betragen, ist also um den Faktor von einer Million erhöht.» Hält sich nun eine Frau, die erst kurze Zeit schwanger ist, in diesem Moment in der Nähe des Atomkraftwerks auf und der Wind weht vom AKW in ihre Richtung, kann es für den Embryo riskant werden. «Kurz nach der Befruchtung sind die Zellen am strahlenempfindlichsten, weil sie sich sehr schnell teilen», sagt Fairlie. Diese frühen Schädigungen lösen vermutlich später die Leukämie aus."
Ian Fairlie, Chemiker, unabhängiger Berater, Nuklearexperte (Zitat aus der WOZ vom 16. September 2010) zum WOZ-Artikel



Druckwasserreaktor Krebs, Kinderkrebs & weniger Mädchengeburten





IPPNW-Pressemitteilung
vom 4. September 2009


Atomkraftwerke machen krank



In der Umgebung von Atomkraftwerken besteht für Kinder und Jugendliche ein zwischen 13 und 24 % erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken. Das geht aus der heute veröffentlichten Meta-Analyse von Prof. Dr. med. Eberhard Greiser "Leukämie-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in der Umgebung von Kernkraftwerken in fünf Ländern" hervor.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen ein statistisch signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko an Leukämie im Vergleich zu nationalen Erkrankungswerten. Dies gilt nicht nur für Kleinkinder bis 5 Jahre (Ergebnis der Studie "Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" vom Dezember 2007), sondern auch für alle weiteren untersuchten Altersgruppen (5-9 Jahre, 10-14 Jahre, 15-19 Jahre, 20-24 Jahre und 0-14 Jahre).

Der Krebs- und Umweltepidemiologe Prof. Greiser hatte bei der neuen und ausführlichen Analyse die Daten zu Krebserkrankungen um insgesamt 80 Kernkraftwerke in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und USA untersucht. Damit ist die vorliegende Studie das bisher umfassendste Gutachten über das Auftreten von Leukämien im Kinder- und Jugendalter in der Umgebung von Atomkraftwerken.

"Die Analyse von Prof. Greiser bestärkt einmal mehr die Forderung der IPPNW, den Strahlenschutz um Kernkraftwerke zu korrigieren. Es darf nicht sein, dass die Gesundheit der Bürger gefährdet bleibt", erklärt Reinhold Thiel, Vorstandsmitglied der IPPNW.

Die atomkritische Ärzteorganisation fordert den Bundestag in einer Petition auf, den Strahlenschutz für die Bürger zu verbessern. Etwa 1.000 MitzeichnerInnen unterstützen bereits die Forderung der IPPNW. Bis zum 11. September 2009 kann die Petition noch online gezeichnet werden.



Die IPPNW-Informationsbroschüre "Atomkraftwerke machen Kinder krank - Fragen und Antworten zum Krebsrisiko rund um Atomanlagen" in Print und zum Download finden Sie hier



WOZ Die Wochenzeitung vom 09.10.2008 - Ressort Wissen



Kinder, Krebs und Strahlung Die Indizien sagen: Schuldig!

Von Susan Boos

In der Umgebung von Atomkraftwerken treten bei Kindern überdurchschnittlich viele Krebsfälle auf. Das zeigte eine deutsche Studie, die aber auch behauptet, das habe mit den AKWs nichts zu tun. Falsch, sagen renommierte ExpertInnen.

Die Geschichte gleicht einem Thriller: Ein gemeingefährliches Monster treibt sich herum, hinterlässt üppig Opfer, bevorzugt kleine Kinder - aber keiner kriegt es zu fassen. Ende September trafen sich auf Einladung der Gesellschaft für Strahlenschutz in Berlin einige hochkarätige WissenschaftlerInnen, die dem Monster auf die Spur kommen wollen. Im Kern ging es um die deutsche Kinderkrebsstudie (KiKK), die im letzten Dezember publiziert worden war. Eine Studie, die für viel Aufsehen und noch mehr Verwirrung gesorgt hat.

Vier Jahre lang hatten ExpertInnen des Kinderkrebsregisters in Mainz her­auszufinden versucht, ob Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, öfter an Krebs erkranken als andere Kinder. Das Ergebnis war frappant:

⇒ Kinder, die fünf Kilometer oder näher an einem AKW leben, haben ein doppelt so hohes Risiko, an Leukämie zu erkranken, wie Kinder, die weiter weg leben.

⇒ Dieses erhöhte Risiko nimmt zwar ab, lässt sich aber bis zu einem Umkreis von fünfzig Kilometern feststellen.

⇒ Vor allem das Risiko, an Leukämie zu erkranken, ist überdurchschnittlich hoch.

⇒ Ganz kleine Kinder sind wesentlich gefährdeter als ältere Kinder.

Bernd Grosche vom deutschen Bundesamt für Strahlenschutz - es hatte die Studie in Auftrag gegeben - fasste diese Resultate an der Berliner Tagung nochmals zusammen. Und dann sagte er, sein Amt sehe keine befriedigende Erklärung: «Deshalb werden wir auch den Leuten, die nahe bei Atomkraftwerken leben, nicht empfehlen, wegzuziehen.» Beschwichtigend fügte er noch an: «Wir sehen uns einfach nicht in der Lage, aufgrund der Daten eine klare Aussage zu machen. Aber ich bin froh, dass es in Deutschland den Ausstiegsbeschluss gibt. Wir sollten dabei bleiben!»

Irrige Lehre
Die offizielle Interpretation der Studie lautet entsprechend: Man weiss zwar nicht, weshalb die Kinder in der Nähe von Atomkraftwerken so viel häufiger an Krebs erkrankten - «nach dem heutigen Wissensstand kommt aber Strahlung, die von Kernkraftwerken im Normalbetrieb ausgeht, als Ursache für die beobachtete Risikoerhöhung nicht in Betracht».

Diese Aussage löste heftigen Protest aus, hält sich aber an die noch immer gängige Lehre, die auf den Folgen der Atombombenabwürfe von Hiroschima und Nagasaki beruht: Eine gross angelegte Studie untersuchte ab 1946 die Bombenopfer und versuchte zu eruieren, welche gesundheitlichen Folgen sie davontragen. Aufgrund dieser Untersuchungen rechnet man damit, dass maximal achtzehn zusätzliche Krebstote auftreten, wenn man hundert Personen mit einem Sievert bestrahlt.

Atomkraftwerke geben im Normalbetrieb Strahlung ab. Um allerdings die vielen Kinderkrebsfälle in Deutschland zu erklären, müsste ihre Strahlenbelas­tung - hochgerechnet auf die Atombombendaten - beinahe um den Faktor tausend höher sein.

Eigentlich weiss man heute, dass die Hiroschima-Nagasaki-Untersuchungen unzureichend sind, um das Strahlenrisiko zu errechnen - vor allem, wenn es um niedrige Strahlendosen geht. Die Atombombenopfer waren nämlich ganz spezifischer Strahlung ausgesetzt: Diese war kurz und sehr hoch dosiert.

Inzwischen liegen diverse neue Studien vor, die viel genauer darlegen, wie niedrige Strahlendosen wirken. Der Epidemiologe Wolfgang Hoffmann von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald zitierte eine gross angelegte Studie aus dem Jahr 2005, in die 400 000 strahlenexponierte Personen (AKW-MitarbeiterInnen oder medizinisches Personal) einbezogen worden waren. Die meisten von ihnen erhielten geringe Dosen, das heisst, Dosen, die das Gesetz erlaubt.

Falsch reparierte Zellen
Das Resultat überraschte: Ein bis zwei Prozent der Krebstodesfälle dieser Gruppe waren durch die berufliche Strahlenexposition verursacht - das waren also 1000 bis 2000 zusätzliche Todesfälle, die es eigentlich nicht geben sollte. Und es waren wesentlich mehr, als aufgrund der Hiroschima-Nagasaki-Untersuchung zu erwarten waren. Noch beunruhigender sind die Resultate einer schwedischen Studie, die Hoffmann anführte: Sie förderte zutage, dass die intellektuelle Entwicklung eines Kindes negativ beeinflusst wird, wenn das kindliche Gehirn Dosen ausgesetzt wird, wie sie etwa bei einer Computertomografie freigesetzt werden.

Es häuften sich die Indizien, fasste Hoffmann zusammen, dass auch diverse gutartige Tumore durch Strahlung ausgelöst werden könnten. «Auch gibt es keine Dosis, die keinen Krebs auslöst - jede auch noch so geringe Dosis kann Krebs verursachen.» Das hängt mit den Reparaturfähigkeiten der Zellen zusammen, wie Hoffmann erklärte: Zellen, die durch Strahlung beschädigt worden sind, reparieren sich selbst - nur reparieren sie sich manchmal falsch, wodurch das Erbgut der Zelle falsch zusammengebaut wird und sie zu wuchern beginnen kann. Selbst winzigste Strahlendosen vermögen diesen Prozess auszulösen.

Ein Erklärungsversuch
Das Resultat der Tagung brachte der Epidemiologe Eberhard Geiser von der Universität Bremen auf den Punkt: «Es kann keinesfalls ausgeschlossen werden, dass ein Zusammenhang zwischen den Krebserkrankungen und den Emissionen der in die Studie einbezogenen sechzehn Kernkraftwerke besteht.» Zwar weiss man noch nicht genau, wie die Verbindung läuft. Deswegen aber zu behaupten, es gebe sie nicht, wäre unwissenschaftlich.

Der Londoner Strahlenschutzexperte Ian Fairlie, der auch schon die britische Regierung beraten hatte, präsentierte einen Erklärungsversuch: Atomkraftwer­ke geben im Normalbetrieb Radionukli­de ab - Tritium zum Beispiel oder Kohlenstoff-14. Diese könnten für die Krebsfälle verantwortlich sein. Tritium etwa ist mobil und gilt als aggressiv. Verbunden mit Sauerstoff sei es letztlich, so Fairlie, nichts anderes als radio­aktives Wasser.

Diese radioaktiven Stoffe werden zu gewissen Spitzenzeiten konzentriert über die Kamine von AKWs freigesetzt. Es sei sehr schwierig, genaue Daten zu erhalten, wann wie viel rausgelassen werde, meinte Fairlie. Und betonte, er könne sich irren - aber es sei möglich, dass eine schwangere Frau in der Umgebung eines AKWs diese Stoffe einatme. Dadurch könne ihr Fötus erhöhten Dosen ausgesetzt sein - Dosen, die für Erwachsene nicht so gefährlich sein müssen, auf einen wachsenen Fötus aber verheerend wirken dürften.

Der Thriller ist nicht zu Ende. Keiner der anwesenden Wissenschaftler konnte definiitv beweisen, dass die AKWs die Kinderkrebsfälle verursachen. Die Unschuld der Atomkraftwerke ist aber ebenso wenig bewiesen. Es existieren zu viele Indizien, dass sie diejenigen sind, die das Monster beherbergen.

«Wir können offene Fragen klären»



WOZ: Frau Kuehni, der renommierte deutsche Experte Alfred Körblein geht davon aus, dass die Schweizer Kinderkrebsstudie - so wie sie angelegt ist - zu wenig aussagekräftige Ergebnisse liefern wird, weil die Schweiz einfach zu klein ist. Was halten Sie dem entgegen?

Claudia Kuehni: Das haben wir sehr genau angeschaut und sind zum Schluss gekommen, dass wir mit unserem Studienkonzept zu guten Ergebnissen kommen dürften. Wenn das Krebsrisiko für Kinder, die nahe von Atomkraftwerken wohnen, in der Schweiz ähnlich hoch ist wie in Deutschland, so werden wir dies in unserer Studie auch zeigen können.

Wie unterscheidet sich Ihr Studienkonzept von der deutschen Kinderkrebsstudie?

Wir sind in der Lage, genau zu bestimmen, wo die Kinder bei der Geburt gewohnt haben und wo sie lebten, als ihr Krebs ausgebrochen ist. In Deutschland lässt sich nur bestimmen, wo ein Kind lebte, als die Krebserkrankung auftrat, Daten über den Geburtsort fehlen dort. Mit unserer Methode sind wir zudem in der Lage festzustellen, ob es noch andere Ursachen für die Krebserkrankungen geben kann, zum Beispiel Radon oder Hochspannungsleitungen. Das natürlich vorkommende radioaktive Gas Radon ist übrigens in der Schweiz für etwa fünfzig Prozent der radioaktiven Belas­tung der Einwohner verantwortlich.

In Deutschland wird kritisiert, die Schweizer Studie werde keine vergleichbaren Daten bringen und nütze deshalb nicht viel. Wäre es nicht klüger gewesen, dieselbe Methode wie bei der deutschen Kinderkrebsstudie zu wählen, damit sich die Ergebnisse vergleichen lassen?

Da wir andere Daten zur Verfügung haben als in Deutschland, müssen wir auch ein anderes Studiendesign wählen. Die Methode, die für Deutschland gewählt wurde, war der dortigen Datenlage angepasst. Für die Schweiz wäre sie nicht optimal. Mit dem jetzigen Studienplan können wir ein paar Schritte weitergehen. In Deutschland blieben am Ende viele Fragen offen. Einige davon können wir mit dem erweiterten Studiendesign in der Schweiz nun hoffentlich klären.

Diverse Schweizer Atomanlagen liegen nahe der Grenze zu Deutschland - die AKWs Leibstadt, Beznau I und II sowie das atomare Zwischenlager in Würenlingen. Der süddeutsche Raum um Waldshut wird aber nicht in Ihre Studie einbezogen, obwohl es gerade AnwohnerInnen aus dieser Region sind, die seit Jahren eine Krebsstudie fordern. Warum lässt man die einfach aussen vor?

Falls es für Süddeutschland vergleichbar gute Daten gibt, werden wir sie selbstverständlich direkt einbeziehen. Fehlen diese Daten, werden wir wenn möglich in einem zweiten Schritt zusätzliche Analysen machen, welche die angrenzenden Länder Deutschland und Frankreich mitberücksichtigen.

In Deutschland hat die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW am Studiendesign mitgearbeitet. Das ist bei der Canupis-Studie nicht der Fall - warum nicht?

Wir haben bewusst darauf verzichtet, die eine oder andere Seite - also pro oder kontra Atomkraft - direkt in die Planung oder Durchführung der Studie einzubeziehen. Wir sind aber jederzeit offen für Anregungen und Inputs.

Claudia Kuehni ist Leiterin des Schweizer Kinderkrebsregisters und Projektleiterin der Schweizer Kinderkrebsstudie Canupis.


Die Canupis-Studie
Die Schweiz verfügt seit Jahren über ein ausgezeichnetes Krebsregister für Kinder (etwas Entsprechendes für Erwachsene existiert nicht). Aufgrund der Ergebnisse der deutschen Kinderkrebsstudie hat deshalb die Schweizerische Krebsliga zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) beim Schweizer Kinderkrebsregister die sogenannte Canupis-Studie in Auftrag gegeben. Die Studie soll herausfinden, «ob Kinder, die in der Nähe eines Schweizer Kernkraftwerkes leben oder aufgewachsen sind, ein höheres Risiko für eine Krebserkrankung und insbesondere für Leukämien haben». Sie tut es allerdings nach einer anderen Methode als die deutsche Studie. Das hat in Deutschland bereits Kritik ausgelöst, weil die Schweizer Resultate sich nicht mit den deutschen vergleichen liessen (vgl. nebenstehendes Interview).

Die Schweizer Studie hat sich indes zum Ziel gesetzt, genauer zu untersuchen, welche Faktoren die Kinderkrebsfälle verursachen könnten - etwa ionisierende Strahlung, elektromagnetische Felder oder industrielle Immissionen. Die Krebsliga zahlt 410 000 Franken an die Studie, das BAG 210 000 Franken, und die Energiekonzerne und AKW-Besitzer Axpo respektive BKW FMB Energie AG zahlen je 100 000 Franken. Die Ergebnisse der Studie sollen bis 2011 vorliegen.
www.canupis.ch





Kernkraftwerke erhöhen das Krebsrisiko für Kinder. Das hat eine Studie bewiesen.
Doch vielen Wissenschaftlern behagt dieses Ergebnis offenbar nicht

Von Sebastian Pflugbeil
Je näher Kinder an einem Kernkraftwerk wohnen,
desto höher ist ihr Risiko, an Krebs zu erkranken. Was jahrzehntelang als freie Erfindung oder unqualifizierte Übertreibung bärtiger Atomkraftgegner verhöhnt wurde, ist nun als Tatsache auf dem höchstmöglichen wissenschaftlichen Niveau in Deutschland angekommen. Dennoch tobt ein erbitterter Streit um dieses eigentlich eindeutige Ergebnis der Studie, die das Mainzer Kinderkrebsregister im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz angefertigt hat. Der Grund: Das Ergebnis schmerzt neben den Betreibern der Kernkraftwerke seltsamerweise auch einige Autoren der Studie so stark, dass sie mit wissenschaftlich unseriösen Argumenten versuchen, das gravierende Ergebnis zu relativieren. Das wiederum hängt mit der Vorgeschichte der Studie zusammen.

Es ist 15 Jahre her,
seit das Mainzer Institut für Medizinische Statistik und Dokumentation (IMSD) eine umfangreiche Studie zur Erkrankungshäufigkeit von Kinderkrebs um deutsche kerntechnische Anlagen vorlegte. Die Studie untersuchte Daten von 1980 bis 1995. Ihr Ergebnis war: keine erhöhten Krebsraten bei Kindern unter 15 Jahren im Radius von 15 Kilometern um die Kernkraftwerke. »Nebenbei« stellte sich aber eine dreifach erhöhte Leukämierate bei Kleinkindern unter fünf Jahren im Fünf-Kilometer-Nahbereich kerntechnischer Anlagen heraus. Fünf Jahre später folgte eine zweite Studie des IMSD. Das Ergebnis: Kein erhöhtes Leukämierisiko für Kinder im Umfeld von Kernkraftwerken.

Der Münchner Physiker Alfred Körblein
sah sich die Studie näher an. Er wollte wissen, was es mit dem Leukämierisiko auf sich hat. Erst im Methodenteil fand er die Erklärung dafür, dass die beunruhigend erhöhte Leukämierate der ersten Studie in der zweiten unauffällig wurde. Die Autoren hatten klammheimlich die Methode so verändert, dass am Ende alles im grünen Bereich war. Körblein konnte nachweisen, dass bei Anwendung der gleichen Methode wie in der ersten Studie auch die Daten der zweiten Studie ein rund dreifach erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern unter fünf Jahren aufgewiesen hätten. Außerdem fand Körblein schon damals eine signifikante Abhängigkeit des Krebsrisikos von der Entfernung zum Kernkraftwerk.
Im Frühjahr 1998 bat Körblein den Leiter des IMSD, Professor Jörg Michaelis, um Überlassung der standortspezifischen Daten für Kleinkinder. Die Auswertung der Daten für Kleinkinder unter fünf Jahren ergab ein deutlich signifikanteres Ergebnis als für Kinder unter 15 Jahren. Die Krebsrate war im Nahbereich von Kernkraftwerken signifikant um 54 Prozent erhöht, die Leukämierate gar um 76 Prozent. Diese Ergebnisse wurden zunächst im Strahlentelex und im August 1999 in der amerikanischen Fachzeitschrift Medicine and Global Survival veröffentlicht.
Auf entsprechende Weise überprüfte Körblein die Kinderkrebsraten um bayrische Kernkraftwerke und fand auch dort deutlich erhöhte Krebsraten bei Kindern. Körblein wurde von den eigentlich zuständigen Behörden und hochrangigen Epidemiologen verspottet - als texanischer Scharfschütze, »der erst ein Loch in die Wand schießt und dann die Zielscheibe herummalt«.

Erst eine Unterschriftensammlung der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW erreichte
schließlich, dass das Bundesamt für Strahlenschutz mit dem neuen Präsidenten Wolfram König entschied, in einer neuen Studie den auffälligen Befunden gezielt nachzugehen. Nach längeren Diskussionen einigte sich eine Kommission auf eine Fall-Kontroll-Studie: Es sollte geprüft werden, ob krebskranke Kinder im Mittel näher an Kernkraftwerken wohnen als Kinder ohne Krebs. Den Zuschlag für die Studie erhielt das Mainzer Kinderkrebsregister am IMSD, pikanterweise ebenjenes Forschungsnetzwerk, das zweimal zuvor zu einer sehr ähnlichen Fragestellung fast nichts gefunden hatte. Es wurde eine Expertenkommission eingerichtet, welche die Studie kritisch begleiten sollte - ihr gehörte auch Körblein an.

Nach sechsjähriger Arbeit
wurde die international größte derartige Studie jetzt vorgelegt. Sie untersucht die Umgebung von 16 Kernkraft-Standorten in Deutschland über einen Zeitraum von 23 Jahren mit dem schärfsten epidemiologischen Instrument, einer Fall-Kontroll-Studie. Erstmals werden nicht nähere und fernere Regionen miteinander verglichen. Es wird der jeweilige genaue Abstand zwischen Wohnort und nächstgelegenem Kernkraftwerk der krebskranken und der gesunden Kinder bis zum Alter von fünf Jahren analysiert. Das Ergebnis steht wegen der ausgefeilten Methode sowie des Umfangs und der Genauigkeit der Daten nun wie ein Fels in der Brandung.

Erstmals erkennen nun Atomkraftkritiker, Atomkraftbefürworter und die Neutralen
gemeinsam dieses Ergebnis an. Überraschend ist jedoch, dass die Autoren der Studie selbst die größten Probleme mit ihrer hervorragenden Studie zu haben scheinen. So schreiben sie in der Zusammenfassung, also in dem Teil der Studie, den Politiker und Journalisten bestenfalls lesen, einen ebenso merkwürdigen wie langen Satz: »Obwohl frühere Ergebnisse mit der aktuellen Studie reproduziert werden konnten, kann aufgrund des aktuellen strahlenbiologischen und -epidemiologischen Wissens die von deutschen Kernkraftwerken im Normalbetrieb emittierte ionisierende Strahlung grundsätzlich nicht als Ursache interpretiert werden.«
Also: Mehr Kinderkrebs im Umfeld von Kernkraftwerken, ohne dass diese Krankheit etwas mit der Strahlung der Kraftwerke zu tun hätte. Das klingt schon deshalb seltsam, weil sich die Studie gar nicht mit ionisierender Strahlung befasst hat. Das begleitende Expertengremium ist »einhellig der Überzeugung«, dass »dieser Zusammenhang aufgrund des besonders hohen Strahlenrisikos für Kleinkinder sowie der unzureichenden Daten zu Emissionen von Leistungsreaktoren keineswegs ausgeschlossen werden kann«.

KKW = Krebs Kraft Werk


Doch damit nicht genug:
Wie viele Kinder sind denn nun infolge ihrer Kernkraft-nahen Wohnung zusätzlich an Krebs oder Leukämie erkrankt? In der Zusammenfassung geben die Autoren an, dass im Fünf-Kilometer-Radius um ein Kernkraftwerk innerhalb von 23 Jahren 29 zusätzliche Krebserkrankungen ermittelt wurden. Das erscheint zumindest statistisch nicht weiter schlimm oder anders gesagt: Das soll nicht schlimm erscheinen. Die Autoren unterschlagen dabei, dass viel mehr Kinder außerhalb der fünf Kilometer wegen der Nähe zum Kernkraftwerk erkranken. Die begleitenden Experten haben diesen Trick scharf kritisiert. Sie gehen im Untersuchungszeitraum von insgesamt 121 bis 275 zusätzlichen Krebsfällen bei Kleinkindern im Radius von 50 Kilometern um Atomanlagen aus.
Der Lack ist ab - Atomsicherheit und Strahlenschutz schützen die Kinder in der Umgebung deutscher KKWs nicht vor Gesundheitsschäden. Das ist nicht Ideologie, nicht Theorie, sondern Tatsache.

Sebastian Pflugbeil
ist Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz und Mitglied des Expertengremiums der Studie.
Deren Votum und die Studie stehen: www.bfs.de
Die Arbeiten von Alfred Körblein findet man www.alfred-koerblein.de


Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Publik-Forum
Quelle: Publik-Forum, Nr. 24 vom 21. Dez. 2007
Das Heft kann nachbestellt werden bei
Redaktion und Verlag Publik-Forum
Postfach 2010
D-61410 Oberursel
AboPublik-Forum.de
www.publik-forum.de




AKW und Krebs
"Eine grandiose Täuschung"


Quelle: 18.12.2007 TAZ
Der Epidemiologe Eberhard Greiser erhebt schwere Vorwürfe gegen die Leiterin der Studie zum Thema Leukämie im Umkreis von AKWs: Sie soll die Ergeb­nisse bei der Veröffentlichung verharmlost haben.

taz: Herr Greiser, haben Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen, ein erhöhtes Krebsrisiko?
Eberhard Greiser: Das ist eindeutig so. Die neue Studie hat die Daten von 22 deutschen Kernkraftwerken an 16 Standorten ausgewertet.

Aber ein erhöhtes Krebsrisiko besteht nur im 5-Kilometer-Umkreis, sagt die Leiterin der Studie, Prof. Maria Blettner.
Die Aussage ist falsch. Die Auswertungen in ihrem eigenen Abschlussbericht zeigen, dass das Risiko bis zu einer Entfernung von 50 Kilometern höher ist als weiter entfernt und dass das Erkrankungsrisiko mit zunehmender Entfernung von Atomkraftwerken kontinuierlich abnimmt.

Sie behaupten, dass Frau Prof. Blettner die Studie ihres Institutes falsch darstellt?
In der Studie sind die Daten korrekt ausgewertet. Aber das, was Frau Prof. Blettner als Ergebnis in die Öffentlichkeit kommuniziert, ist schlicht falsch. Das kann man auch nicht als Streit unter Experten abtun. Das ist eine so grandiose Täuschung der Öffentlichkeit, dass man sich fragen muss, ob hier nicht die Grenze zwischen Täuschung und Fälschung überschritten wird.

Außerhalb des 5-Kilometer-Kreises ist die Erhöhung des Risikos aber sehr gering.
Das stimmt so nicht: Im 5-Kilometer-Kreis ist das Risiko um 60 bis 75 Prozent höher, in 5 bis 10 Kilometern Entfernung um 20 bis 40 Prozent erhöht, weiter entfernt sinkt das Risiko bis auf sehr kleine Werte. Wenn Sie die Zahl der Bewohner nehmen, gibt es in der 50-Kilometer-Zone allerdings deutlich mehr betroffene Kinder.

In der ersten Pressemitteilung des Mainzer Institutes für Epidemologie (Imbei) am vergangenen Montag stand aber: "Außerhalb der 5-Kilometer-Zone fanden sich keine erhöhten Erkrankungsrisiken."
Der Satz stand zunächst auf der Internetseite des Mainzer Instituts, ist nun aber ge­strichen. Frau Prof. Blettner hat erklärt, dass nur 29 Fälle von Krebserkrankung bei Kin­dern innerhalb von 24 Jahren der Nähe zu den Kernkraftwerken zuzuschreiben sind. Wenn man korrekt rechnet und das Risiko außerhalb des 5-Kilometer-Radius einbezieht, findet man je nach Rechnungsmethode zwischen 121 und 275 Fälle. Beide Berechnungen finden sich in der Studie ihres Hauses. Prof. Blettner hat sich in ihrer Darstellung gegenüber der Öffentlichkeit also um einen Faktor fünf bis zehn verschätzt. Von allen Krebserkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren, die im 50-Kilometer-Umkreis von Kernkraftwerken leben, sind 8 bis 18 Prozent auf das Wohnen in der Nähe des Atomkraftwerkes zurückzuführen. Die Studie gibt deutliche Hinweise, dass Kernkraftwerke im Normalbetrieb gesundheitlich nicht unbedenklich sind.

Wie deuten Sie das Vorgehen von Prof. Blettner?
Ich halte das bei einer Wissenschaftlerin für enorm kritisch, wenn sie die offenkundigen Ergebnisse ihrer eigenen Forschung in einer Weise manipuliert, dass ein Effekt fast bis zur Unkenntlichkeit verharmlost wird. Man fragt sich natürlich, warum eigentlich.
In der Öffentlichkeit spricht Frau Prof. Blettner von der Möglichkeit, dass es bisher noch unbekannte Faktoren gibt oder dass es sich doch um Zufall handelt.
Diese Erklärungsversuche sind abwegig. Ich vermute, dass Frau Prof. Blettner selbst von den Ergebnissen überrascht worden ist und deshalb nun davon abrückt. Diese Studie ist weltweit die größte Studie zu dem Thema. Das Expertengremium, das sie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz begleitet hat und dem ich angehöre, hat keinen Zweifel daran, dass hier korrekt gearbeitet worden ist.

Die FAZ spricht von "rätselhaften Zusammenhängen".
Die Zusammenhänge sind für die Mitglieder des Expertengremiums des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht rätselhaft, sondern sehr plausibel. Welcher Zufall sollte für einen so eindeutigen Abfall der Erkrankungshäufigkeit bei zunehmender Entfernung verantwortlich sein?

Was ist normalerweise das Verfahren bei der Veröffentlichung solcher Studien?

Das übliche Verfahren bei einer komplexen oder absehbar sensiblen Studie ist, dass zur Sicherung der Qualität ein Beirat eingerichtet wird. Der steht den Wissenschaftlern bei­seite, die die Studie durchführen, macht am Ende seinen Bericht, der den Wissenschaft­lern bescheinigt, dass die Studie ordentlich durchgeführt worden ist. Dann wird das Ganze den Auftraggebern vorgelegt, und schließlich wird das Ergebnis gemeinsam verkündet und öffentlich interpretiert. Frau Prof. Blettner hat sich im Laufe des vergangenen Jahres jedoch gegen eine externe Qualitätsprüfung durch Mitglieder des Expertengremiums ge­wehrt. Was hier passiert ist, habe ich in meinem ganzen beruflichen Leben noch nicht erlebt.

Hat der wissenschaftliche Beirat Frau Prof. Blettner erklärt, wieso er die Ergebnisse anders interpretiert?

Es geht hier überhaupt nicht um eine Interpretation von Ergebnissen, sondern vor allem darum, dass Ergebnisse, die sich eindeutig im Abschlussbericht der Studie finden, der Öffentlichkeit unterschlagen werden. Frau Prof. Blettner hat sich auch einer Diskussion nicht gestellt. Sie ist am 10. Dezember, als der Termin mit dem Expertengremium war, nicht erschienen.

Soll man Eltern kleiner Kinder, die im Umkreis von 50 Kilometern von Atomkraft­werken leben, raten, wegzuziehen?

Man kann ja nicht die Gegenden um alle deutschen Kernkraftwerke menschenleer machen. Gott sei Dank erkranken ja auch nur sehr wenige Kinder unter 5 Jahren an Leu­kämie oder an anderen Krebsarten. In ganz Deutschland bekamen im Untersuchungs­zeitraum von 24 Jahren mehr als 13.000 Kinder dieser Altersgruppe Krebs. Im Bereich unter 50 Kilometer um die 16 Standorte deutscher Kernkraftwerke erkrankten insgesamt 1.523 Kinder. Bei 121 bis 275 von ihnen ist der Krebs auf das Wohnen in der Nähe des Kernkraftwerkes zurückzuführen - das sind vermutlich zwischen 5 und 12 pro Jahr.

Umziehen oder nicht umziehen?
Ich würde mir einen Umzug genau überlegen. Die Emissionen der Kernkraftwerke sind ja nur ein Faktor von vielen, die zu Krebs im Kindesalter führen können. Und viele Faktoren können die Eltern auch ohne Umzug beeinflussen. Rauchen während der Schwanger­schaft oder in der Umgebung von Kleinkindern ist deswegen gefährlicher, weil noch viel zu viele Mütter rauchen. Insektizide im Haushalt sind in Deutschland praktisch überall überflüssig, stellen aber für Leukämien und Lymphdrüsenkrebs einen starken Risikofaktor dar. Vergleichbares gilt für Holzschutzmittel. Einige Gruppen von sehr feinen Stäuben sind auch krebserregend, und elektromagnetische Felder, die von vielen Haushaltsge­räten ausgehen, sind ebenfalls Risikofaktoren.

Können die geringen Mengen an Isotopen aus einem AKW im Routinebetrieb Krebs erzeugen?

Der Grenzwert, von dem Frau Prof. Blettner ausgeht, leitet sich ab von Untersuchungen von Erwachsenen aus Hiroschima und Nagasaki. Da diese Langzeituntersuchungen erst in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts angefangen wurden, können wir daraus überhaupt nichts ableiten für das Krebsrisiko von Kleinkindern. Die waren nämlich damals bereits gestorben, wenn sie durch die Strahlung einen Krebs davongetragen hatten.
Wir wissen aber, dass der wachsende Organismus und noch viel mehr der nicht geborene sehr viel sensibler ist gegenüber Strahlungen als der erwachsene Körper. Die vom Bun­desamt für Strahlenschutz eingesetzte Expertengruppe, die die Studie begleitet hat, ist daher zu dem Ergebnis gekommen, dass man keineswegs ausschließen kann, dass die statistisch signifikanten Effekte durch AKWs verursacht worden sind.

Wie sollen Eltern damit umgehen?
Eltern, deren Kinder Krebs bekommen haben, sollten überlegen, ob sie nicht die Betreiber haftbar machen. Die haben jahrzehntelang behauptet, es könne nichts passieren.
INTERVIEW: KLAUS WOLSCHNER

IGNORANTEN-FRONT
"Wir finden in Deutschland einen Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zu einem Kernkraftwerk und der Häufigkeit, mit der Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an Krebs erkranken", sagt Peter Kaatsch, Chef des deutschen Kinderkrebsregisters. Zu­sammen mit seiner Mainzer Kollegin Prof. Maria Blettner hat er seit 2003 die bisher größte Studie zu dem Thema geleitet: Alle an Krebs erkrankten Kinder unter 5 Jahren, die im Umkreis von 50 Kilometern eines AKWs lebten, wurden einbezogen. Am 10. Dezem­ber wurden die Ergebnisse veröffentlicht.
Aber was nicht sein darf, ist angeblich auch nicht so. Kaatsch sei selbst von dem Ergebnis "verblüfft" gewesen, berichtet die Zeit und stellt klar: "Mit Strahlung lässt sich das Krebs­risiko nicht erklären." Auch viele andere Medien vertreten diese Position. Die FAZ schreibt von "rätselhafte Zusammenhängen". Die Welt ist der Auffassung, nur "notorische Atomkraftgegner" könnten einen Zusammenhang von Strahlung durch laufende AKWs und Krebserkrankungen entdecken. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz stünde wegen dieser Interpretation "im Zwielicht".


EBERHARD GREISER ist Professor für Epidemiologie und medizinische Statistik an der Universität Bremen und Geschäftsführer einer Beratungsfirma für epidemiologische und sozialmedizinische Studien. Er war bereits für mehrere epidemiologische Studien zu Ur­sachen für Leukämie und Lymphdrüsenkrebs verantwortlich. Auch das Konzept für die Untersuchung, die das Mainzer Institut für Epidemologie (Imbei) im Auftrag des Bundes­amtes für Strahlenschutz (BfS) durchgeführt hat, stammt von ihm. Zugleich gehörte er dem externen Expertengremium für die Studie an.


Kritische Hintergrundinformationen zu: AKW, KKW, Atomenergie, Kernenergie, Euroreaktor, Europäischer Druckwasserreaktor EPR, Atomwaffen, Atomkraftwaffen, Atomparteien, EnBW, E.ON, Vattenfall, RWE.

Atomenergie Ausstellung - Eine umfassende Information
BUND - Info zum Thema AKW, Atomkraftwerke, Atomwaffen und Atomgefahren

Druckwasserreaktor - Atomreaktor - Kernreaktor
Information und Funktionsweise

Siedewasserreaktor - Atomreaktor - Kernreaktor
Information und Funktionsweise


Kurzinfos zu allen deutschen AKW


AKW Biblis
AKW Brokdorf
AKW Brunsbüttel
AKW Emsland
AKW Grafenrheinfeld
AKW Grohnde
AKW Gundremmingen
AKW Isar
AKW Krümmel
AKW Neckarwestheim
AKW Philippsburg
AKW Unterweser






Kinderkrebs, Krebs & Atomkraftwerke / AKW / KKW / Kernenergie und das Krebsrisiko

Krebs, Kinderkrebs & Gefahr: AKW / KKW weltweit


(Quelle: World Nuclear Association 2007)
Unsere Krititik an der Atomkraft lässt sich auch auf die Kernkraftwerke der folgende Liste übertragen

Almaraz-1, Spain, PWR
Almaraz-2, Spain, PWR
Angra-1, Brazil, PWR
Angra-2, Brazil, PWR
Arkansas Nuclear One-1, United States, PWR
Arkansas Nuclear One-2, United States, PWR
Armenia-2 (Metsamor), Armenia, PWR/VVER
Asco-1, Spain, PWR
Asco-2, Spain, PWR
Atucha-1, Argentina, PHWR
Balakovo-1, Russian Federation, PWR/VVER
Balakovo-2, Russian Federation, PWR/VVER
Balakovo-3, Russian Federation, PWR/VVER
Balakovo-4, Russian Federation, PWR/VVER
Beaver Valley-1, United States, PWR
Beaver Valley-2, United States, PWR
Belleville-1, France, PWR
Belleville-2, France, PWR
Beloyarsk-3 (BN-600), Russian Federation, FBR
Beznau-1, Switzerland, PWR
Beznau-2, Switzerland, PWR
Biblis-A, Germany, PWR
Biblis-B, Germany, PWR
Bilibino unit A, Russian Federation, LWGR/EGP
Bilibino unit B, Russian Federation, LWGR/EGP
Bilibino unit C, Russian Federation, LWGR/EGP
Bilibino unit D, Russian Federation, LWGR/EGP
Blayais-1, France, PWR
Blayais-2, France, PWR
Blayais-3, France, PWR
Blayais-4, France, PWR
Bohunice-1, Slovak Republic, PWR/VVER
Bohunice-2, Slovak Republic, PWR/VVER
Bohunice-3, Slovak Republic, PWR/VVER
Bohunice-4, Slovak Republic, PWR/VVER
Borssele, Netherlands, PWR
Braidwood-1, United States, PWR
Braidwood-2, United States, PWR
Brokdorf, Germany, PWR
Browns Ferry-2, United States, BWR
Browns Ferry-3, United States, BWR
Bruce-3, Canada, PHWR/CANDU
Bruce-4, Canada, PHWR/CANDU
Bruce-5, Canada, PHWR/CANDU
Bruce-6, Canada, PHWR/CANDU
Bruce-7, Canada, PHWR/CANDU
Bruce-8, Canada, PHWR/CANDU
Brunsbuttel, Germany, BWR
Brunswick-1, United States, BWR
Brunswick-2, United States, BWR
Bugey-2, France, PWR
Bugey-3, France, PWR
Bugey-4, France, PWR
Bugey-5, France, PWR
Byron-1, United States, PWR
Byron-2, United States, PWR
Callaway-1, United States, PWR
Calvert Cliffs-1, United States, PWR
Calvert Cliffs-2, United States, PWR
Catawba-1, United States, PWR
Catawba-2, United States, PWR
Cattenom-1, France, PWR
Cattenom-2, France, PWR
Cattenom-3, France, PWR
Cattenom-4, France, PWR
Cernavoda-1, Romania, PHWR/CANDU
Chasnupp-1, Pakistan, PWR
Chin Shan-1, Taiwan, BWR
Chin Shan-2, Taiwan, BWR
Chinon-B1, France, PWR
Chinon-B2, France, PWR
Chinon-B3, France, PWR
Chinon-B4, France, PWR
Chooz-B1, France, PWR
Chooz-B2, France, PWR
Civaux-1, France, PWR
Civaux-2, France, PWR
Clinton-1, United States, BWR
Cofrentes, Spain, BWR
Columbia (WNP-2), United States, BWR
Comanche Peak-1, United States, PWR
Comanche Peak-2, United States, PWR
Cooper, United States, BWR
Cruas-1, France, PWR
Cruas-2, France, PWR
Cruas-3, France, PWR
Cruas-4, France, PWR
Crystal River-3, United States, PWR
Dampierre-1, France, PWR
Dampierre-2, France, PWR
Dampierre-3, France, PWR
Dampierre-4, France, PWR
Darlington-1, Canada, PHWR/CANDU
Darlington-2, Canada, PHWR/CANDU
Darlington-3, Canada, PHWR/CANDU
Darlington-4, Canada, PHWR/CANDU
Davis Besse-1, United States, PWR
Diablo Canyon-1, United States, PWR
Diablo Canyon-2, United States, PWR
Doel-1, Belgium, PWR
Doel-2, Belgium, PWR
Doel-3, Belgium, PWR
Doel-4, Belgium, PWR
Donald Cook-1, United States, PWR
Donald Cook-2, United States, PWR
Dresden-2, United States, BWR
Dresden-3, United States, BWR
Duane Arnold-1, United States, BWR
Dukovany-1, Czech Republic, PWR/VVER
Dukovany-2, Czech Republic, PWR/VVER
Dukovany-3, Czech Republic, PWR/VVER
Dukovany-4, Czech Republic, PWR/VVER
Dungeness-A1, United Kingdom, GCR (Magnox)
Dungeness-A2, United Kingdom, GCR (Magnox)
Dungeness-B1, United Kingdom, AGR
Dungeness-B2, United Kingdom, AGR
Embalse, Argentina, PHWR
Emsland, Germany, PWR
Enrico Fermi-2, United States, BWR
Farley-1, United States, PWR
Farley-2, United States, PWR
Fessenheim-1, France, PWR
Fessenheim-2, France, PWR
Fitzpatrick, United States, BWR
Flamanville-1, France, PWR
Flamanville-2, France, PWR
Forsmark-1, Sweden, BWR
Forsmark-2, Sweden, BWR
Forsmark-3, Sweden, BWR
Fort Calhoun-1, United States, PWR
Fukushima-Daiichi-1, Japan, BWR
Fukushima-Daiichi-2, Japan, BWR
Fukushima-Daiichi-3, Japan, BWR
Fukushima-Daiichi-4, Japan, BWR
Fukushima-Daiichi-5, Japan, BWR
Fukushima-Daiichi-6, Japan, BWR
Fukushima-Daini-1, Japan, BWR
Fukushima-Daini-2, Japan, BWR
Fukushima-Daini-3, Japan, BWR
Fukushima-Daini-4, Japan, BWR
Genkai-1, Japan, PWR
Genkai-2, Japan, PWR
Genkai-3, Japan, PWR
Genkai-4, Japan, PWR
Gentilly-2, Canada, PHWR/CANDU
Goesgen, Switzerland, PWR
Golfech-1, France, PWR
Golfech-2, France, PWR
Grafenrheinfeld, Germany, PWR
Grand Gulf-1, United States, BWR
Gravelines-1, France, PWR
Gravelines-2, France, PWR
Gravelines-3, France, PWR
Gravelines-4, France, PWR
Gravelines-5, France, PWR
Gravelines-6, France, PWR
Grohnde, Germany, PWR
Guangdong-1 (Daya Bay 1), China, mainland, PWR
Guangdong-2 (Daya Bay 2), China, mainland, PWR
Gundremmingen-B, Germany, BWR
Gundremmingen-C, Germany, BWR
H B Robinson-2, United States, PWR
Hamaoka-1, Japan, BWR
Hamaoka-2, Japan, BWR
Hamaoka-3, Japan, BWR
Hamaoka-4, Japan, BWR
Hamaoka-5, Japan, ABWR
Hartlepool-1, United Kingdom, AGR
Hartlepool-2, United Kingdom, AGR
Hatch-1, United States, BWR
Hatch-2, United States, BWR
Heysham-A1, United Kingdom, AGR
Heysham-A2, United Kingdom, AGR
Heysham-B1, United Kingdom, AGR
Heysham-B2, United Kingdom, AGR
Hinkley Point-B1, United Kingdom, AGR
Hinkley Point-B2, United Kingdom, AGR
Hope Creek-1, United States, BWR
Hunterston-B1, United Kingdom, AGR
Hunterston-B2, United Kingdom, AGR
Ignalina-2, Lithuania, LWGR/RBMK
Ikata-1, Japan, PWR
Ikata-2, Japan, PWR
Ikata-3, Japan, PWR
Indian Point-2, United States, PWR
Indian Point-3, United States, PWR
Isar-1, Germany, BWR
Isar-2, Germany, PWR
Jose Cabrera-1 (Zorita), Spain, PWR
Kaiga-1, India, PHWR
Kaiga-2, India, PHWR
Kakrapar-1, India, PHWR
Kakrapar-2, India, PHWR
Kalinin-1, Russian Federation, PWR/VVER
Kalinin-2, Russian Federation, PWR/VVER
Kalinin-3, Russian Federation, PWR/VVER
Kanupp, Pakistan, PHWR
Kashiwazaki Kariwa-1, Japan, BWR
Kashiwazaki Kariwa-2, Japan, BWR
Kashiwazaki Kariwa-3, Japan, BWR
Kashiwazaki Kariwa-4, Japan, BWR
Kashiwazaki Kariwa-5, Japan, BWR
Kashiwazaki Kariwa-6, Japan, ABWR
Kashiwazaki Kariwa-7, Japan, ABWR
Khmelnitski-1, Ukraine, PWR/VVER
Khmelnitski-2, Ukraine, PWR/VVER
Koeberg-1, South Africa, PWR
Koeberg-2, South Africa, PWR
Kola-1, Russian Federation, PWR/VVER
Kola-2, Russian Federation, PWR/VVER
Kola-3, Russian Federation, PWR/VVER
Kola-4, Russian Federation, PWR/VVER
Kori-1, Korea RO (South), PWR
Kori-2, Korea RO (South), PWR
Kori-3, Korea RO (South), PWR
Kori-4, Korea RO (South), PWR
Kozloduy-3, Bulgaria, PWR/VVER
Kozloduy-4, Bulgaria, PWR/VVER
Kozloduy-5, Bulgaria, PWR/VVER
Kozloduy-6, Bulgaria, PWR/VVER
Krsko, Slovenia, PWR
Krummel, Germany, BWR
Kuosheng-1, Taiwan, BWR
Kuosheng-2, Taiwan, BWR
Kursk-1, Russian Federation, LWGR/RBMK
Kursk-2, Russian Federation, LWGR/RBMK
Kursk-3, Russian Federation, LWGR/RBMK
Kursk-4, Russian Federation, LWGR/RBMK
Laguna Verde-1, Mexico, BWR
Laguna Verde-2, Mexico, BWR
LaSalle-1, United States, BWR
LaSalle-2, United States, BWR
Leibstadt, Switzerland, BWR
Leningrad-1, Russian Federation, LWGR/RBMK
Leningrad-2, Russian Federation, LWGR/RBMK
Leningrad-3, Russian Federation, LWGR/RBMK
Leningrad-4, Russian Federation, LWGR/RBMK
Limerick-1, United States, BWR
Limerick-2, United States, BWR
Lingao-1, China, mainland, PWR
Lingao-2, China, mainland, PWR
Loviisa-1, Finland, PWR/VVER
Loviisa-2, Finland, PWR/VVER
Maanshan-1, Taiwan, PWR
Maanshan-2, Taiwan, PWR
Madras-1, India, PHWR
Madras-2, India, PHWR
McGuire-1, United States, PWR
McGuire-2, United States, PWR
Mihama-1, Japan, PWR
Mihama-2, Japan, PWR
Mihama-3, Japan, PWR
Millstone-2, United States, PWR
Millstone-3, United States, PWR
Mochovce-1, Slovak Republic, PWR/VVER
Mochovce-2, Slovak Republic, PWR/VVER
Monticello, United States, BWR
Muehleberg, Switzerland, BWR
Narora-1, India, PHWR
Narora-2, India, PHWR
Neckarwestheim-1, Germany, PWR
Neckarwestheim-2, Germany, PWR
Nine Mile Point-1, United States, BWR
Nine Mile Point-2, United States, BWR
Nogent-1, France, PWR
Nogent-2, France, PWR
North Anna-1, United States, PWR
North Anna-2, United States, PWR
Novovoronezh-3, Russian Federation, PWR/VVER
Novovoronezh-4, Russian Federation, PWR/VVER
Novovoronezh-5, Russian Federation, PWR/VVER
Oconee-1, United States, PWR
Oconee-2, United States, PWR
Oconee-3, United States, PWR
Ohi-1, Japan, PWR
Ohi-2, Japan, PWR
Ohi-3, Japan, PWR
Ohi-4, Japan, PWR
Oldbury-1, United Kingdom, GCR (Magnox)
Oldbury-2, United Kingdom, GCR (Magnox)
Olkiluoto-1, Finland, BWR
Olkiluoto-2, Finland, BWR
Onagawa-1, Japan, BWR
Onagawa-2, Japan, BWR
Onagawa-3, Japan, BWR
Oskarshamn-1, Sweden, BWR
Oskarshamn-2, Sweden, BWR
Oskarshamn-3, Sweden, BWR
Oyster Creek, United States, BWR
Paks-1, Hungary, PWR
Paks-2, Hungary, PWR
Paks-3, Hungary, PWR
Paks-4, Hungary, PWR
Palisades, United States, PWR
Palo Verde-1, United States, PWR
Palo Verde-2, United States, PWR
Palo Verde-3, United States, PWR
Paluel-1, France, PWR
Paluel-2, France, PWR
Paluel-3, France, PWR
Paluel-4, France, PWR
Peach Bottom-2, United States, BWR
Peach Bottom-3, United States, BWR
Penly-1, France, PWR
Penly-2, France, PWR
Perry-1, United States, BWR
Phenix, France, FBR
Philippsburg-1, Germany, BWR
Philippsburg-2, Germany, PWR
Pickering-1, Canada, PHWR/CANDU
Pickering-4, Canada, PHWR/CANDU
Pickering-5, Canada, PHWR/CANDU
Pickering-6, Canada, PHWR/CANDU
Pickering-7, Canada, PHWR/CANDU
Pickering-8, Canada, PHWR/CANDU
Pilgrim-1, United States, BWR
Point Beach-1, United States, PWR
Point Beach-2, United States, PWR
Point Lepreau, Canada, PHWR/CANDU
Prairie Island-1, United States, PWR
Prairie Island-2, United States, PWR
Qinshan-1, China, mainland, PWR
Qinshan-2, China, mainland, PWR
Qinshan-3, China, mainland, PWR
Qinshan-4, China, mainland, PHWR/CANDU
Qinshan-5, China, mainland, PHWR/CANDU
Quad Cities-1, United States, BWR
Quad Cities-2, United States, BWR
R E Ginna, United States, PWR
Rajasthan-1, India, PHWR
Rajasthan-2, India, PHWR
Rajasthan-3, India, PHWR
Rajasthan-4, India, PHWR
Ringhals-1, Sweden, BWR
Ringhals-2, Sweden, PWR
Ringhals-3, Sweden, PWR
Ringhals-4, Sweden, PWR
River Bend-1, United States, BWR
Rovno-1, Ukraine, PWR/VVER
Rovno-2, Ukraine, PWR/VVER
Rovno-3, Ukraine, PWR/VVER
Rovno-4, Ukraine, PWR/VVER
Salem-1, United States, PWR
Salem-2, United States, PWR
San Onofre-2, United States, PWR
San Onofre-3, United States, PWR
Santa Maria de Garona, Spain, BWR
Seabrook-1, United States, PWR
Sendai-1, Japan, PWR
Sendai-2, Japan, PWR
Sequoyah-1, United States, PWR
Sequoyah-2, United States, PWR
Shearon Harris-1, United States, PWR
Shika-1, Japan, BWR
Shimane-1, Japan, BWR
Shimane-2, Japan, BWR
Sizewell-A1, United Kingdom, GCR (Magnox)
Sizewell-A2, United Kingdom, GCR (Magnox)
Sizewell-B, United Kingdom, PWR
Smolensk-1, Russian Federation, LWGR/RBMK
Smolensk-2, Russian Federation, LWGR/RBMK
Smolensk-3, Russian Federation, LWGR/RBMK
South Texas-1, United States, PWR
South Texas-2, United States, PWR
South Ukraine-1, Ukraine, PWR/VVER
South Ukraine-2, Ukraine, PWR/VVER
South Ukraine-3, Ukraine, PWR/VVER
St. Alban-1, France, PWR
St. Alban-2, France, PWR
St. Laurent-B1, France, PWR
St. Laurent-B2, France, PWR
St. Lucie-1, United States, PWR
St. Lucie-2, United States, PWR
Surry-1, United States, PWR
Surry-2, United States, PWR
Susquehanna-1, United States, BWR
Susquehanna-2, United States, BWR
Takahama-1, Japan, PWR
Takahama-2, Japan, PWR
Takahama-3, Japan, PWR
Takahama-4, Japan, PWR
Tarapur-1, India, BWR
Tarapur-2, India, BWR
Tarapur-4, India, PHWR
Temelin-1, Czech Republic, PWR/VVER
Temelin-2, Czech Republic, PWR/VVER
Three Mile Island-1, United States, PWR
Tianwan-1, China, mainland, PWR/VVER
Tihange-1, Belgium, PWR
Tihange-2, Belgium, PWR
Tihange-3, Belgium, PWR
Tokai-2, Japan, BWR
Tomari-1, Japan, PWR
Tomari-2, Japan, PWR
Torness unit A, United Kingdom, AGR
Torness unit B, United Kingdom, AGR
Tricastin-1, France, PWR
Tricastin-2, France, PWR
Tricastin-3, France, PWR
Tricastin-4, France, PWR
Trillo-1, Spain, PWR
Tsuruga-1, Japan, BWR
Tsuruga-2, Japan, PWR
Turkey Point-3, United States, PWR
Turkey Point-4, United States, PWR
Ulchin-1, Korea RO (South), PWR
Ulchin-2, Korea RO (South), PWR
Ulchin-3, Korea RO (South), PWR
Ulchin-4, Korea RO (South), PWR
Ulchin-5, Korea RO (South), PWR
Unterweser, Germany, PWR
Vandellos-2, Spain, PWR
Vermont Yankee, United States, BWR
Virgil C Summer-1, United States, PWR
Vogtle-1, United States, PWR
Vogtle-2, United States, PWR
Volgodonsk-1 (Rostov), Russian Federation, PWR/VVER
Waterford-3, United States, PWR
Watts Bar-1, United States, PWR
Wolf Creek, United States, PWR
Wolsong-1, Korea RO (South), PHWR
Wolsong-2, Korea RO (South), PHWR
Wolsong-3, Korea RO (South), PHWR
Wolsong-4, Korea RO (South), PHWR
Wylfa-1, United Kingdom, GCR (Magnox)
Wylfa-2, United Kingdom, GCR (Magnox)
Yonggwang-1, Korea RO (South), PWR
Yonggwang-2, Korea RO (South), PWR
Yonggwang-3, Korea RO (South), PWR
Yonggwang-4, Korea RO (South), PWR
Yonggwang-5, Korea RO (South), PWR
Yonggwang-6, Korea RO (South), PWR
Zaporozhe-1, Ukraine, PWR/VVER
Zaporozhe-2, Ukraine, PWR/VVER
Zaporozhe-3, Ukraine, PWR/VVER
Zaporozhe-4, Ukraine, PWR/VVER
Zaporozhe-5, Ukraine, PWR/VVER
Zaporozhe-6, Ukraine, PWR/VVER

Legende:

PWR = Pressurized Water Reactors
BWR = Boiling Water Reactors
CANDU = Pressurized Heavy Water Reactor
AGR = Advanced Gas-cooled Reactor
VVER = Vodo-Vodyanoi Energetichesky Reactor
PHWR = Pressurised Heavy Water Reactor
LWGR = grahite moderated light water cooled
RBMK = Reaktor Bolshoy Moshchnosti Kanalniy
ABWR = Advanced Boiling Water Reactor
EGP = graphite channel power reactor with steam overheat
FBR = Fast Breeder Reactor
GCR (Magnox) = Gas Cooled Reactor



Information, Hintergrundinfo, Ausstellung, Material, Vortrag, Hausarbeit, Diplomarbeit, Aufsatz, Schularbeit, Referat...

Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://www.mitwelt.com/krebs-kinderkrebs-atomkraftwerk.html">Krebs, Kinderkrebs & Atomkraftwerke / AKW / KKW / Kernenergie, Krebsrisiko (auch für AKW-Arbeiter), weniger Mädchengeburten</a>

Weitersagen
Delicious Twitter Facebook StudiVZ

Dieser Artikel wurde 32974 mal gelesen und am 24.6.2015 zuletzt geändert.