Weltweite Energievorräte / Energiereserven / Energieressourcen / Energiekrise...
Wie lange reichen die weltweiten Energievorräte?

Energie & Energiereserven: Benzin & Benzinpreis
Im Internet und den Medien
finden sich zum Thema weltweite Energievorräte (Uran, Erdöl, Erdgas, Kohle, Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie) die unterschiedlichsten, häufig interessengeleiteten Angaben. Wir versuchen hier einige Infos zum Thema weltweite Energievorräte zusammenzutragen. Die aufgeführten Studien über die Endlichkeit von Uran, Erdöl, Erdgas und Kohle zeigen die Dimension der kommenden Energiekrise. Sie berücksichtigen häufig nicht ausreichend, dass bei Ressourcenverknappung auf andere Technologien umgestiegen wird, weil die Verknappung zu einem massiven Preisanstieg führt. Dies kann dazu führen, dass einige der alten Energieträger, bei massiv erhöhten Preisen einige Jahre länger vorhanden sind als in den Prognosen erwartet wird. Das ändert aber aber nicht am Grundproblem einer in Kürze drohenden weltweiten Energiekrise. Steigende Preise für Öl (Benzin) und Uran und Kriege um Öl und Ressourcen sind die ersten Hinweise auf kommende Kriege und Konflikte.
Der Ölkonzern BP, dessen gesunkene Ölplattform den Golf von Mexiko verseucht,
hatte laut TAZ noch in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 einen Nettoprofit von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Ölkatastrophe wird langfristig Auswirkungen auf die Öl- und Benzinpreise haben. „Die Kosten werden definitiv ansteigen“, sagte der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) Nobuo Tanaka.
Die Verteuerung von Öl und Benzin werde aus zwei Gründen geschehen: Durch höhere Sicherheitsstandards bei Tiefseebohrungen und durch höhere Versicherungsprämien, warnte Tanaka in der Süddeutschen Zeitung. Noch weiter ging der Chefvolkswirt der Energieagentur, Fatih Birol: „Die Ära des billigen Öls geht zu Ende.“
Schon früher hatte die IEA befürchtet, dass sich der Ölpreis in den nächsten Jahren verdreifachen könnte. Hinzu kommt, dass nach den Berechnungen des Ludwig-Bölkow-Instituts schon 2009 weltweit der Höhepunkt der Ölförderung (Peak Oil) erreicht war und jetzt kontinuierlich zurückgehe während gleichzeitig die Nachfrage steige.

Energiereserven und Peak Oil
Die Atommlobby,
u.a. organisiert im Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen, fasst auf ihrer Homepage (am 7. Sept. 2005) die heutigen Erkenntnisse zusammen, allerdings ohne die Steigerungsraten des Verbrauchs einzubeziehen.
„Wie lange reichen die Energievorräte der Welt?
Teilt man die aus heutiger Sicht technisch und wirtschaftlich abbaubaren Reserven durch den jetzigen Verbrauch, erhält man die so genannte statische Reichweite. Diese beträgt für Erdöl rund 41, für Erdgas 67, für Kohle 192 und für Uran (ohne Brutreaktoren) rund 50 Jahre.“ Zitatende
Nach den realen Zahlen fließen dann die Zukunftshoffnungen der Atomlobby in den Text der Homepage ein:
„Die statische Reichweite ist aber nur bedingt aussagekräftig, da sich einerseits der Verbrauch ständig ändert und andererseits immer noch neue Vorkommen entdeckt werden. Bei steigenden Energiepreisen lohnt sich auch der heute noch nicht wirtschaftliche Abbau von Vorräten.“ Zitatende

Die Umweltorganisation Greenpeace
hat im Jahr 2006 eine Studie über die Reichweite der Uranvorräte der Welt erstellt. Nach dieser Studie können die heute bekannten Uranvorräte einen steigenden Bedarf nicht decken. "Unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien zur weltweiten Entwicklung des Kraftwerkbestandes, scheinen die Uranvorräte etwa zwischen 2026 und 2070 erschöpft. Geht man davon aus, dass Atomkraft tendenziell rückläufig ist, mit Ausbaubemühungen nur weniger Länder, werden die Vorräte nach realistischen Schätzungen bis circa 2050 reichen."
"Selbst wenn wir kalkulieren, dass die Preise für Uran enorm steigen und damit die Ausbeutung bislang unwirtschaftlicher Minen interessant wird, sind die Uranlager in spätestens 70 Jahren erschöpft", sagt Dr. Werner Zittel, Energieexperte bei der Ludwig Bölkow Systemtechnik GmbH in Ottobrunn. Alle Vorschläge, die Atomenergie auszubauen, vernachlässigen die Tatsache, dass die Rohstoffbasis für diese Technologie erheblich schrumpft und keinen weiteren Ausbau mehr zulässt."
Die Forscher der Energy Watch Group
haben errechnet, dass selbst bei hohen Uranpreise der Höhepunkt der Uranförderung etwa 2035 erreicht sein wird und maximal bis dahin der Brennstoffbedarf der Atomkraftwerke abgedeckt werden könnte. Sollte es – wie von der IEA empfohlen – zu einem Ausbau der Atomenergie kommen, würde bereits vor 2030 der Uranbrennstoff knapp werden. "Die Atomausbauziele der IEA sind auf Uransand gebaut, der gar nicht da ist", so Zittel.
Auch die Streckung der Uranreserven mit Schnellen Brütern ist bisher weltweit trotz massiver Forschungsunterstützung gescheitert. Es sind zurzeit keine Erkenntnisse bekannt, dass sich Schnelle Brüter technologisch oder gar kommerziell im notwendigen großen Stile verwirklichen lassen.
Der Schnelle Brüter: Ewig Strom - Dank Atom?
Die Technologie des “Schnellen Brüters” wird von der Atomindustrie gerne als eine der wichtigsten Energiequellen der Zukunft dargestellt. So schreibt der Industrielobbyist Michael Miersch in der Zeitschrift -Die Welt-: “Der Einsatz von Wiederaufarbeitungsanlagen und der Brütertechnologie kann die Reichweite der bekannten Uranvorkommen um das 30- bis 60-Fache verlängern.” Was er nicht beschreibt sind die Gefahren der Brutreaktoren.
Ein schwerer Atomunfall in einem Druckwasserreaktor oder Siedewasserreaktor kann große Landstriche dauerhaft unbewohnbar machen und viele Opfer fordern. Explodieren wie eine Atombombe können diese Atomkraftwerke aber nicht. Atomexplosionen sind "nur" bei einem Plutoniumreaktor vom Typ "Schneller Brüter" möglich.” Die Folgen eines schweren Unfalls, der sich alle ca. 100000 Reaktorjahre ereignen kann, berechnet für den nie fertiggestellten Brutreaktor in Kalkar: 1.400 Soforttote, 52000 bis 2,7 Million Folgetote; etwa eine Million Menschen müssen umgesiedelt werden, auf einer Fläche von 260 km mal 260 km ist Jahrhunderte lang keine Landwirtschaft mehr möglich, eine Fläche von 90 km mal 90 km muss oberflächlich abgetragen werden. Die Auswirkungen liegen um das 2 bis 5 Fache höher als beim Super-Gau eines LWR.” Quelle: KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung e. V.
Die Fachzeitschrift Politische Ökologie schreibt:
Bei den Steigerungsraten des Verbrauchs, welche die Internationale Agentur des OECD (International Energy Agency, IEA) berechnete, ergibt sich:
• ein Ende des Erdöls um 2035,
• von Erdgas vermutlich vor 2040,
• Kohle reicht bis maximal 2100. Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass sie die anderen Energieträger ersetzen muss
und gleichzeitig zu einem gesteigerten CO2- Ausstoß führt.
• Uran reicht bei der heutigen Förderung nur bis 2040.
• Schon 2010 produzieren die OPEC des Nahen Ostens 50 Prozent des Öls. Das verschafft diesen, teilweise politisch
instabilen Ländern eine bedeutende Machtposition - nicht nur über die Preise. Ähnlich sieht es beim Erdgas aus, das
Deutschland im Jahr 2010 vermutlich zu 90 Prozent aus Russland importieren wird.
Quelle: Zeitschrift "Politische Ökologie"
Die teilweise sehr unterschiedlichen,
häufig stark interessengeleiteten Zahlen zu den Energievorräten der Welt zeigen deutlich die Endlichkeit dieser Ressourcen an. Ein plötzliches, abruptes Ende der Förderung von Gas, Öl, Uran und Kohle ist dennoch nicht zu erwarten, eher ein langsames Auslaufen, begleitet von einer massiven Preiserhöhung und damit verbundenen sozialen Verwerfungen. Doch das unlösbare Grundproblem der nicht regenerativen Energiequellen wie Uran, Gas, Öl und Kohle sind nach Ansicht von BUND Geschäftsführer Axel Mayer die Probleme eines unbegrenzten Wachstums und der damit verbunden ständig steigenden Nachfrage nach Energie.
Bei einem anhaltenden Wachstum des Energieverbrauchs
von 3% verdoppelt sich dieser alle 23 Jahre, bei 5% sogar bereits alle 14 Jahre. Und eine Menge, die exponentiell wächst, vertausendfacht sich jeweils nach der zehnfachen Verdoppelungszeit. Dauerhaftes exponentielles Wachstum des Energieverbrauchs ist nicht möglich, auch wenn die Kohle, Öl- und Atomlobby anderes verkünden.
Unser Wirtschaftswachstum und die damit verbundene Raubbauwirtschfaft
ist immer noch nicht abgekoppelt von einem überhöhten Energie- und Rohstoffverbrauch. Das Ende des Öl- und Uranzeitalters ist absehbar und rückt durch den bejubelten Export unseres Verschwendungssystems nach China und Indien noch näher. Ein Teil des bisher „unterentwickelten“ Rests der Welt (insbesondere China und Indien) ist gerade gerade dabei, unser zerstörerisches Modell einer Raubbauwirtschaft nachzuahmen und ähnlich Energie zu verschwenden wir wir. Der beginnende Autoboom in diesen Ländern wird in unseren Medien zumeist noch unkritisch bejubelt. Die Folgen dieses Booms für Energievorräte, Ökologie und Weltklima sind kein Thema. In China und Indien läuft zur Zeit das "spannendste ökologische Belastungsexperiment" der Menschheitsgeschichte. Und ist es den Menschen in Asien zu verdenken, dass sie unserem schlechten Beispiel nacheifern?
Das weltweit knapper werdende Öl
löst beim abhängigen Patienten Mensch klassische Suchtsymptome aus. Wir haben, so war in einer Anzeige in der "Financial Times" zu lesen, die erste Hälfte unseres Öls, nämlich 1000 Milliarden Barrel, in hundertdreißig Jahren verbraucht, für die zweite Hälfte, die zweiten tausend Milliarden Barrel, werden wir nur dreißig Jahre brauchen.
100-Dollar-Grenze für ein Barrel Erdöl überschritten
Vor der weltweiten Krise, am 2. Januar 2008, erreichte der Preis für ein Barrel Erdöl spekulationsbedingt erstmals die 100-Dollar-Grenze. Der Erdölhändler Richard Arens hatte für 100’000 Dollar 1000 Barrel gekauft. Arens tat es offenbar, um in die Geschichte einzugehen, damit er einst "seinen Enkeln erzählen kann, er sei der Erste gewesen, der soviel zahlte", wie die Medien berichteten. Ende Januar 2008 fiel der Preis wieder unter 90 Dollar. Doch Ende Februar ging er wieder über die 100-Dollar Grenze, das 100-Dollar-Ereignis war also nichts Einmaliges. Plötzlich war es für AnalystInnen vorstellbar, dass das Barrel bald 150 oder 200 Dollar kosten könnte.
An Ostern 2010 lag der Benzinpreis im Schnitt schon wieder bei 1,43 und der Preis für Diesel bei 1,21 Euro je Liter. Und die Preise werden steigen
Exkurs: Kriege um Öl
«Dank» dem Irakkrieg sitzen die US-Truppen heute (2008) auf einem Viertel der globalen Ölreserven, geschätzte 115 Milliarden Barrel Öl. Bei einem Ölpreis von 100 Dollar pro Fass ergibt dies eine Beute im Wert von 11’500’000’000’000 Dollar, oder 11,5 Billionen Dollar! Wer diese Beute kontrolliert, gehört zu den Gewinnern. Die wenigsten Menschen können so grosse Zahlen überhaupt noch aussprechen. Einer, der es kann, ist Alan Greenspan, der frühere Vorsitzende der US-Notenbank. «Ich finde es bedauerlich», so Greenspan, «dass es politisch unkorrekt ist zuzugeben, was alle schon wissen: Beim Irak-Krieg geht es um das Erdöl». Paul Wolfowitz, der frühere Vize-Verteidigungsminister der USA, erklärte es so: «Der wichtigste Unterschied zwischen Nordkorea und Irak liegt darin, dass wir beim Irak aus wirtschaftlicher Sicht einfach keine Wahl hatten. Das Land schwimmt auf einem See aus Erdöl.»
Zitat: Daniele Ganser Historiker und Friedensforscher

Energiereserven, Peak Oil und die Folgen
Statt Energie einzusparen und die vorhandenen Alternativen zu fördern,
rufen wachstumsgläubige Politiker nach einer intensiveren Ölförderung und nach der noch härteren und gefährlicheren Energiedroge Atomenergie. Die Forderung nach neuen Atomkraftwerken dient auch der psychologischen Entlastung viele Politiker der Atom- und Kohleparteien. Sie tragen die Hauptverantwortung für die bisherige und zukünftige Verschwendung von Energie, Rohstoffen und für die drohende Klimaveränderung. Die Werbeabteilungen der Atomkonzerne bieten Ihnen jetzt die Illussion sich aus der Verantwortung stehlen zu können. Aus Techinikoptimisten in Sachen Atomtechnologie werden Technikpessimisten, wenn es um Sonnenenergie, Windkraftwerke und Geothermie geht. Die Dauerregierungsmitglieder EnBW, e.on, RWE und Vattenfall verstärken ihren Einfluss auf Politik und Medien und gefährden die Demokratie.
Nur einen, zugegeben etwas makaberen,
positiven Effekt könnte das beginnende Auslaufen der fossilen Energievorräte haben. Die Klimaveränderungen würden langfristig weniger verheerend ausfallen als bisher angenommen, wenn Erdöl und Gas nicht durch Kohle ersetzt werden.
Das Wachstum im Bereich der Alternativen Energien,
gehört zu den wenigen hoffnungsvollen Zeichen der Zeit. Von 1995 bis 2005 haben sich die Preise für atomar-fossile Energien mehr als verdoppelt, während sie sich für erneuerbare Energien halbiert haben. Windstrom ist global die am schnellsten expandierende Energienutzung. In der EU gingen im Jahr 2005 alle zwei Monate 1000 MW neue Windenergie ans Netz. In Kilowatt (Leistung) entspricht dies einem neuen AKW Gösgen (CH), in Kilowattstunden (Produktion) wird damit ein Atomreaktor der Größe Beznau (CH) ersetzt - und dies alle 60 Tage. Im Jahr 2007 lieferten die deutschen Windkraftwerke 38,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Der Zubau von Windkraftanlagen (WKA) wie auch windiges Wetter führten zu 27,5 Prozent mehr Windstromeinspeisungen als im Vorjahr. Durch die gute Produktion der Windmühlen konnte nach Kilowattstunden der Ausfall der Atomreaktoren Biblis A, Biblis B, Brunsbüttel und Krümmel mehr als ausgeglichen werden. Seit 2001 stieg in Deutschland die Lieferung von Windstrom um 260 Prozent. "Seit 2004 ersetzt der Zubau erneuerbarer Energien in Deutschland jedes Jahr ein Atomkraftwerk" , sagt Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien. Im Jahr 2007 nahm die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland sogar um fast 14 Milliarden Kilowattstunden zu, was der Erzeugung von anderthalb Atomkraftwerken entspricht. Bei etwa 140 Milliarden Kilowattstunden, die im vergangenen Jahr in Deutschland mittels Atomkraft erzeugt wurden, ließe sich bei unvermindert zügigem Ausbau der erneuerbaren Energien der Atomausstieg also binnen zehn Jahren kompensieren. Ende Juni 2008 waren in Deutschland Rotoren mit zusammen gut 23.000 Megawatt am Netz. Das teilten der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit. Die 17 deutschen Atommeiler kommen zusammen auf knapp 21.500 Megawatt
Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Windräder nicht so kontinuierlich Strom liefern, wie wie Atomkraftwerke (wenn diese nicht durch Wartungsarbeiten, Stör- und Unfälle abgeschaltet sind).
“Trotz einer vermeintlichen Atom-Renaissance hat die Windkraft die Atomkraft auch international längst deklassiert, wenn man den Zubau betrachtet. Seit Anfang 2006 wurden weltweit rund 45.000 Megawatt Windkraft neu installiert, wie aus Zahlen der European Wind Energy Association (EWEA) hervorgeht. Zugleich lag die Leistung der neu in Betrieb genommenen Atomkraftwerke laut internationaler Atomenergiebebehörde IAEA bei lediglich 3.347 Megawatt. Rechnet man gegen, dass seither acht Atomreaktoren mit zusammen 2.236 Megawatt abgeschaltet wurden, so stieg die AKW-Leistung weltweit binnen zweieinhalb Jahren nur um 1.100 Megawatt. Im Vergleich dazu wurde 40-mal so viel Windkraft installiert.” berichtete die TAZ am 24.7.2008. Erfolgreich ist auch die Fotovoltaik, die in der weltweiten Produktion allein von 2007 auf 2008 um über einhundert Prozent wuchs, auf eine jährliche Weltproduktion von mehr als fünf Gigawatt. Fotovoltaik ist heute noch die teuerste aller erneuerbaren Energien, aber als Halbleitertechnologie realisiert sie rasche Kostensenkungen mit schnellen Erhöhungen des Produktionsvolumens.
Und genau dieses positive Wachstum der zukunftsfähigen Energien wird von den Anhängern der atomar-fossilen Energiegewinnung massiv bekämpft, denn jede neue Photovoltaikanlage und jedes neu gebaute, privat finanzierte Windrad nimmt den AKW - Betreibern und den Atomkonzernen EnBW, RWE, Vattenfall und E.on Anteile an der Stromproduktion weg. Widerstand gegen Windräder wegen Vögeln, Fledermäusen und Landschaftsschutz? It´s the money - stupid!

Die erneuerbare Energien sind Energiequellen,
die sich durch natürliche Prozesse laufend erneuern. Sie stehen nach menschlichen Zeitmaßstäben unendlich lange zur Verfügung. Erneuerbare Energien haben drei originäre Quellen: Strahlung der Sonne, Kraft der Gezeiten, Wärme des Erdinneren (Geothermie). Sonne, Mond und Erde stellen diese unerschöpflichen Energien umweltverträglich zur Verfügung. Die Sonne strahlt jährlich in Deutschland auf jeden Quadratmeter so viel Energie, wie in 100 Litern Öl enthalten ist. In der Sahara ist es sogar doppelt so viel. Ein Windrad hat sich nach einem halben Jahr (4- 7 Monate) Betrieb energetisch armortisiert, d.h. nach diesem halben Jahr erzeugt es „netto“ Strom. 130.000 Arbeitsplätze waren im Jahr 2004 in Deutschland direkt oder indirekt auf die Nutzung der regenerativen Energien zurückzuführen.
Der derzeitige Weltenergiebedarf
liegt bei etwa 400 Exajoule (400 Milliarden Milliarden Joule) pro Jahr. Ein Exajoule entspricht der energetischen Menge, welche die Erde in 6 Sekunden von der Sonne empfängt und den Weltverbrauch an Primärenergie im Jahr 2000 innerhalb von 21 Stunden deckt. In einer Studie aus dem Jahr 2003 mit dem Titel "Energiewandel zur Nachhaltigkeit" prognostiziert der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung zu globalen Umweltveränderungen (WGBU) die Potenziale der erneuerbaren Energien für das Jahr 2100 folgendermaßen:
weltweite Wasserkraft: Der Wert des Potenzials für Wasserkraft könnte sich bis 2100 auf ca. 15 EJ pro Jahr steigern lassen.
weltweite Bioenergie / nachwachsende Rohstoffe: "Der Beirat schätzt das globale moderne Bioenergiepotenzial auf etwa 100 EJ pro Jahr, die sich zu 20% aus der Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe sowie zu jeweils etwa 40% aus forstwirtschaftlichen Reststoffen und Energiepflanzen ergeben. Ein derartiger Ausbau ist aber nur innerhalb von Jahrzehnten erreichbar." Nach Ansicht des BUND darf dies aber nicht dazu führen, dass Menschen hungern müssen und dass weitere Wälder zur Biospritgewinnung abgeholzt werden.
weltweite Windkraft: "Bei der Windenergie kann nur ein gewisser Anteil des berechneten globalen technischen Potenzials als nachhaltig nutzbar angesehen werden. Der Beirat empfiehlt daher global etwa 140 EJ pro Jahr als langfristig erreichbaren Beitrag der Windenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung." Andere Experten sehen hier noch mehr Potentiale.
weltweite Solarenergie: "Im Gegensatz zu allen anderen Formen erneuerbarer Energien sind die technischen und auch die nachhaltig nutzbaren Potenziale der Sonnenenergie vor dem Hintergrund aller Zukunftsprojektionen menschlichen Energieeinsatzes praktisch unbegrenzt."
weltweite Erdwärme: "Erdwärme hat ein großes technisches Potenzial und steht im Gegensatz zu Sonnen- und Windenergie kontinuierlich zur Verfügung. Das nachhaltig nutzbare Potenzial wird vom Beirat dennoch bis 2100 nur sehr vorsichtig auf 30 EJ pro Jahr eingeschätzt." Quelle: http://www.wbgu.de/wbgu_jg2003.pdf
Den zerstörerischen Traum
von dauerhaftem, unbegrenzten Wachstum im begrenzten System Erde können allerdings auch die Alternativenergien nicht erfüllen. Wer den American Way of Life mit Energie- und Rohstoffverschwendung, mit Umwelt- und Innenweltverschmutzung auf den Rest der Welt übertragen will, der fährt diesen Planeten mit und ohne regenerative Energiequellen gegen die Wand. Mit Wind- und Sonnenenergie geht das dann nur ein wenig langsamer.
Axel Mayer / BUND Geschäftsführer / Vizepräsident Trinationaler Atomschutzverband TRAS

Wachstum & Energiereserven: Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme
Bis 2050: 100 Prozent Ökostrom in Deutschland
Neue UBA-Studie: Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien ist realistisch
Bis 2050 lässt sich die deutsche Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umstellen. Dies ist mit der besten bereits heute am Markt verfügbaren Technik möglich. Voraussetzung ist aber, dass der Strom sehr effizient genutzt und erzeugt wird. Das zeigt eine im Jahr 2010 vorgelegte Studie des Umweltbundesamtes (UBA) „Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen“. Sie basiert auf dem Szenario „Regionenverbund“. Dabei nutzen alle Regionen Deutschlands ihre Potentiale
für erneuerbare Energien weitgehend aus. Es findet ein deutschlandweiter Stromaustausch statt. In einer Folgestudie untersucht das Umweltbundesamt zwei mögliche Alternativen zum Szenario Regionenverbund, das Szenario „Großtechnologie“ und das Szenario „Autarkie“. zur Studie des UBA
Nachtrag
Wissenschaftler der Universitäten Stanford und Davis
haben im Jahr 2010 in einem Plan für eine emissionsfreie Welt bis 2030 errechnet, dass die weltweite Umstellung auf Erneuerbare Energien rund 100 000 Mrd. US $ kosten wird. Deutlich höher sind die Kosten, für das Festhalten an den fossil- atomaren Energien, so die heute veröffentlichten Berechnungen von Dr. Werner Zittel von der Energy Watch Group in München.
Dr. Werner Zittel hat errechnet, dass weltweit im Jahr 2008 zwischen 5500 – 7750 Mrd. $ für Brennstoffe, Kraftstoffe und Strom ausgegeben wurden (Investitionen in fossile und atomare Energien). Bereits ein Anstieg der Energiepreise um 20% würde die Ausgaben auf fast 10.000 Mrd. $ pro Jahr ansteigen lassen. Dies entspräche in 20 Jahren 200 000 Mrd. US $. Dabei sind die externen Kosten der fossil-atomaren Energien wie Klimawandel, Gesundheitskosten und atomare Risiken in der Rechnung nicht einmal enthalten.
Folglich ist die weltweite Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien bis 2030 nur halb so teuer wie die gesamte Brennstoffbereitstellung im selben Zeitraum für fossile und atomare Energiekosten. Damit ist wissenschaftlich klar bewiesen: Eine vollständige weltweite Umstellung auf Erneuerbare Energien ist sowohl ökonomisch sinnvoll und technologisch machbar!
hier finden Sie den Plan für eine Emissionsfreie Welt bis 2030 von Prof. Jacobson
hier finden Sie die Berechnungen von Dr. Werner Zittel:
Quelle: Hans Josef Fell MdB 2010
Im Blickpunkt: Klimaschutz und Kernenergie
Das erfolgreiche Wachstum des heimischen Markts für erneuerbare Energien in den letzten Jahren hat deutschen Unternehmen eine herausragende Position im globalen Markt für diese Technologien verschafft. Am derzeitigen weltweiten Investitionsvolumen von rund 100 Mrd. Euro sind sie mit knapp 20% beteiligt. Geht man von weltweit ernsthaften Bemühungen zum Klimaschutz aus, wird sich der Weltmarkt für erneuerbare Energien bis 2020 verdrei- bis vervierfachen.
Deutschland hat Dank seiner führenden Position bei diesen Technologien beste Karten, daran mit einem Umsatzvolumen von 50 bis 70 Milliarden Euro pro Jahr zu partizipieren, was dann etwa 500 000 Arbeitsplätzen entspricht.
Diese Position lässt sich aber nur sichern, wenn das Wachstum des heimischen Marktes für erneuerbare Energien weiterhin so erfolgreich verläuft wie bisher. Eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken, möglicherweise noch in Verbindung mit dem Bau zu vieler neuer Kohlekraftwerke, würde die Chancen auf diese neuen zukunftsfähigen Leitmärkte für die deutsche Volkswirtschaft zunichte machen.
Vor diesem Hintergrund ist der (bis jetzt noch) politisch beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland ein außerordentlich kluger und wichtiger Schritt in Richtung des notwendigen raschen Strukturwandels in der Energieversorgung. Verbunden mit dem starken Wachstum von Wind- Sonnenenergie- Biomasse- und Erdwärmeanlagen ist Deutschland ein wichtiges Vorbild für andere Staaten. Als eine der bedeutendsten Volkswirtschaften hat Deutschland die einmalige
Chance, eine zukunftsfähige und klimaschutzverträgliche Energieversorgung zu schaffen und damit gleichzeitig volkswirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Dr. Joachim Nitsch
Referent für Energie beim LNV
Sachverständiger für innovative Energiesysteme und Klimaschutz
Quelle: LNV 14.1.2009
Wichtiger Nachtrag:
Der Beitrag der Atomenergie zur Weltenergieversorgung: Nur 2%
Die so genannte „friedliche Nutzung der Atomenergie“ wurde in den 1960er Jahren begonnen, erreichte ihren Höhepunkt etwa 1985 und ist seitdem rückläufig. Im Jahr 2008 ging weltweit nicht ein einziges Atomkraftwerk ans Netz. Die Atomenergie trägt heute nur rund 2% zur Gesamt-Energieversorgung der Menschheit bei. Warum eigentlich wird dieser 2%-Technik in der Politik noch eine so große Bedeutung beigemessen?
Der Beitrag der Erneuerbaren Energien: Schon 18%
Schon im Jahr 2006 deckten die Erneuerbaren Energien nach internationalen Statistiken 18% des weltweiten Gesamt- Energiebedarfs (REN 21). Und der weitere Ausbau geht unaufhörlich weiter und kommt mit großen Schritten voran. Die wachsende Konkurrenz um die knappen fossilen Energiequellen zwingt zum raschen Umstieg auf 100% Erneuerbare Energie. Übrigens: Die bisher in Deutschland installierten Windenergieanlagen produzieren zeitweise schon mehr Strom als alle deutschen Atomkraftwerke zusammen. Hinzu kommt noch der Strom aus Photovoltaik- und Biogasanlagen.
Die Welt-Energieversorgung
Mit einer 2%-Technik löst man das Klimaproblem nicht
Mit ihrem 2%-Anteil löst die Atomenergie weder das Energie- noch das Klimaproblem. Auch der Zubau neuer Atomkraftwerke kann an diesem geringen Anteil kaum etwas ändern: Selbst eine Vervierfachung der Atomkraftwerkskapazität bis 2050 – wie von der Atomindustrie in den Raum gestellt – könnte nur 6% zur angestrebten Halbierung der CO2-Emissionen beitragen (Szenario der Internationalen Energie Agentur, Juni 2008).
Die einzige Alternative: Wir steigen um auf 100% Erneuerbare Energien. Ein solches Energiesystem ist inzwischen ausgereift und in kurzer Zeit realisierbar.
Quelle: IPPNW
Nachtrag:
Das alternative Potenzial im Überblick
Europa und seine Nachbarn können sich vollständig ohne fossile und atomare Stromerzeugung versorgen.

In einem großräumigen Netz werden Schwankungen leicht kompensiert.
Quelle: Natur und Kosmos
Nachtrag:
Mit neuen Elektroheizungen wird der Strombedarf und die Ressourcenverschwendung gezielt in die Höhe getrieben
„Mit neuen Atom- und Kohlekraftkraftwerken decken wir nur den wachsenden Bedarf“ sagen die Energieversorgungsunternehmen EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall. Gleichzeitig läuft eine bundesweite Werbekampagne für elektrische Direktheizungen und Nachtspeicheröfen.
Für diese teuere, umweltschädliche, für die Konzerne aber gewinnbringende Form der elektrischen Energie- und Rohstoffverschwendung wird zur Zeit massiv geworben. So wird gezielt Energie verschwendet und „Bedarf“ für neue Kraftwerke geschaffen, während öffentlich über Energiesparlampen diskutiert wird.

Energie, Enrgiereserven, Wachstum & Wachstumskritik
Der Fahrplan zur Sonne
Von Sebastian Pflugbeil
Bis 2050 können erneuerbare Energiequellen Europa komplett mit Strom versorgen, sagen auch wirtschaftsnahe Institute. Doch die Bundesregierung
will es nicht glauben
Am 13. April 2010 wurde eine bemerkenswerte Studie der Europäischen Klimastiftung ECF unter dem Stichwort »Roadmap 2050« vorgestellt. Die
Studie stützt sich auf Analysen von fünf erfahrenen Institutionen, die alles andere als für »grüne Spinnereien« bekannt sind: das Imperial College
London, Kema, McKinsey Co., Oxford Economics und das Office of Metropolitan Architecture. Darin geht es um den Vergleich realistischer Wege zu einer
klimaneutralen europäischen Energieversorgung bis zum Jahre 2050. An der Studie arbeiteten Vertreter großer deutscher und europäischer
Stromversorger (RWE, Vattenfall, E.on), führender Netzbetreiber (Tennet, Energienet/DK, Entso-e), Hersteller von Kraftwerkstechnik (Siemens, Vestas)
und Umweltorganisationen (WWF, Germanwatch, E3G) mit. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien für
ganz Europa machbar ist. Zudem wird glasklar nachgewiesen, dass das weder teurer noch weniger verlässlich ist als das heutige System. Dabei wird
nicht auf künftig mögliche neue technische Errungenschaften spekuliert, die Studie setzt nur auf bereits vorhandene Technologien. Sie bezieht lediglich
15 Prozent Solarstrom aus Kraftwerken in Nordafrika und eine stärkere Nutzung der Erdwärme in die Kalkulation ein.
Die deutsche Politik scheint dies allerdings nicht zu glauben, sie steuert jedenfalls kräftig dagegen. Anfang des Jahres war die Solarförderung bereits turnusmäßig um neun Prozent gesunken. Nach einem schwarz-gelben Gesetzentwurf soll die Einspeisevergütung für Solarstrom von Dachanlagen ab dem 1. Juli um zusätzliche 16 Prozent gekürzt werden. Die Beihilfen für Anlagen für Freiflächen sollten um elf Prozent fallen, die Förderung von Anlagen auf Ackerflächen ganz gekappt werden. Im Bundesrat wurde bereits gegen den Gesetzesvorstoß interveniert, mit Kanzlermehrheit kann dem dennoch zugestimmt werden. Umweltverbände wie Politiker fordern -
fraktionsübergreifend - Nachbesserungen. Die Solarförderung müsse in kalkulierbaren und maßvollen Schritten abgesenkt werden, damit zukunftsträchtige Strukturen nicht zerschlagen würden, erklären sie. Von der Gefährdung mehrerer tausend Arbeitsplätze ganz zu schweigen. Angesichts des erreichten Standes der Fachdiskussion provozieren die energiepolitischen Vorhaben der Bundesregierung energischen Widerspruch.
Dabei stehen Befürworter und Gegner der Kernenergie vor den gleichen Herausforderungen:
- Es ist unstrittig, dass die Energieversorgung langfristig mit Sonnenenergie in ihren verschiedenen Formen auskommen muss. Denn Öl, Gas und Uran reichen
nur noch einige Jahrzehnte, sicher nicht mehr einige Jahrhunderte. Die Expertin Astrid Schneider weist in ihrem Buch »Störfall Atomkraft« nach, dass auch das Uran in weniger als hundert Jahren am Ende ist.
- Es ist unstrittig, dass die Sicherung der Energieressourcen anderer Länder ein Hauptgrund für die Kriege der letzten Jahre ist. Im Irak und in Afghanistan ging es um nichts anderes. Der amerikanische Sicherheitsexperte Zbigniew Brzezinski hat die Schlüsselrolle des Nahen und Mittleren Ostens für die globale Energieversorgung, ja sogar für die Weltherrschaft, in seinem Buch »Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft« betont - zwei Jahre vor dem 11. September 2001. Jetzt fehlt nur noch der Iran zur Umsetzung der macht- und energiepolitischen Träume der USA in Zentralasien. Es ist unstrittig, dass sich die Risiken der Kernenergienutzung mit längeren Laufzeiten erhöhen. Zudem sind Kernkraftwerke gegen Krieg und Terror nicht zu schützen. Schließlich ist die Endlagerung hoch radioaktiver
Abfälle nicht gelöst. Man denke an die Skandalgeschichten von Asse, Gorleben und Morsleben. Dort ist bis heute Geheimhaltung, das Ausradieren unbequemer wissenschaftlicher Positionen wie der fahrlässige technischeUmgang mit Atommüllfässern an der Tagesordnung. Beängstigend ist zudem die Bereitwilligkeit, mit der führende Politiker den Atommüll aus Kernkraftwerken und Kernforschungszentren auf Kosten der Steuerzahler und unter Missachtung begründeter Warnungen verschwinden lassen wollen.
- Es ist unstrittig, dass die militärische von der friedlichen Nutzung der Kernenergie nicht wirksam getrennt werden kann. Für die heutigen Atomwaffenstaaten USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Pakistan und Indien war die friedliche Nutzung der Kernenergie zunächst nur Mittel zum Zweck, und der Zweck war die Atombombe. Es ist unstrittig, dass die Kernenergienutzung von Anfang an massiv direkt und indirekt subventioniert wurde.
- Es ist unstrittig, dass der Ausbau der Solarenergienutzung (Strom aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse) viel schneller erfolgte, als alle Fachleute erwartet haben. Der ursprünglich geplante Ausbau der Kernenergienutzung blieb dagegen weit hinter den Prognosen zurück.
So besteht die begründete Hoffnung, dass durch den Aufbau gut durchdachter Netzstrukturen Ertragsschwankungen der Solarenergienutzung stark verringert
oder ganz ausgeglichen werden können. In dieser Richtung wird in Nordeuropa bereits gearbeitet. Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen arbeiten an der »North Seas Countries' Offshore Grid Initiative«. Ein 580 Kilometer langes Unterseestromkabel zwischen den Niederlanden und Norwegen liegt bereits.
Die Niederlande wollen überschüssigen Windstrom in norwegische Pumpspeicherstauseen abgeben und bei Windstille den Strom aus den Seen zurückholen.
Ebenso können wir hoffen, dass ein gewaltiges Netz im Mittelmeerraum Anlagen verbindet, die Sonnenenergie auf unterschiedliche Weise in Strom
umwandelt - und dies in einem Maße, dass ein Teil davon nach Nordeuropa geleitet werden kann. Die Arbeiten an Desertec - Strom aus der Wüste auch
für Mitteleuropa - haben begonnen. Diese Hoffnungen dürfen nicht verschleiern, dass solche neuen großräumig angelegten Energiekonzepte auch
mit schwer abwägbaren neuen Schwierigkeiten belastet sind. Es geht neben den technischen Tücken im Detail, die jede neue technische Entwicklung begleiten, um Politik mit teilweise politisch problematischen Partnern, um viel Geld im Bereich von Dutzenden von Milliarden Euro, das sich auch rechnen soll. Es geht auch um Machtkonzentration, die zu Missbrauch verführen kann, wie wir das von unseren deutschen Energiegiganten erlebt haben. Es geht schließlich auch um Schutz vor Zerstörung und Naturgewalten und darum, wie viel erneuerbare Energie man braucht, um diese gewaltigen Systeme aufzubauen und zu erhalten.
In der Auseinandersetzung mit den großen, auf zentrale Energieversorgungssysteme orientierten Konzernen und angesichts der Erfolge bei der Solarenergienutzung gab es die Vorstellung, den gesamtenEnergiebedarf mit kleineren dezentralen Systemen zur Energiegewinnung decken zu können. Diese Hoffnung halte ich insbesondere für Großstädte und Industriezentren, die zuverlässig kalkulierbare Energiebereitstellung und hohe Energiedichten brauchen, für gewagt.
Klar ist: Der Fahrplan zur Sonne ist ein längerfristiges Projekt. Doch Politik und Verbraucher können schon jetzt auf den Zug zur Sonneaufspringen, indem sie den Ausbau der Solarenergie nachdrücklich unterstützen - und den Zuschlag auf der Energierechnung akzeptieren. Er macht pro Monat kaum mehrals zwei Euro aus.
indem bei den anrollenden großtechnischen Solarenergieprojekten auf die Kontrolle der Macht und des Marktes geachtet und das Zusammenspiel mit dezentralen Solarenergiesystemen technisch und wirtschaftlich fair gewährleistet wird.
indem keine Steuergelder für eine (verkappte) militärische Beteiligung an Kriegen um Energieressourcen missbraucht werden indem der Ausstieg aus der
Nutzung der Kernenergie fortgesetzt wird. Jede Verlängerung der Laufzeiten behindert die Sonnenwende - und schafft noch mehr Atommüll.
Tschernobyl ist 24 Jahre her. Jene mit Gedächtnisverlust haben die Katastrophe samt ihren Lehren vergessen. Die Jungen kennen Tschernobyl lediglich als Geschichte, die nie unter die eigene Haut ging. Die Folgen halten aber noch Jahrzehnte bis Jahrhunderte an.
Sebastian Pflugbeil hat als Vertreter der DDR-Opposition 1989/90 in der Regierung Hans Modrow als Umweltminister den Weg für die Abschaltung sämtlicher Kernkraftwerke auf dem Gebiet der DDR geebnet. Und dies obwohl Energiekonzerne aus den alten Bundesländern bereits ihr Interesse an deren Weiterbetreibung bekundet hatten. Seit Langem ist der promovierte Physiker Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz.
Quelle: Publik-Forum Nr. 08 vom 23.04.2010
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Frankfurter Rundschau - 08.08.2010
Brennstoff-Vorkommen / Das Uran wird knapp
Neue Berichte der europäischen und internationalen Kontrollbehörden zeigen: Der Brennstoff der Atomkraftwerke ist weder sicher, sauber, noch reichlich
Kurzer Auszug:
„Laut ESA-Bericht wurden schon 2009 weltweit 50,5 Kilotonnen Uran abgebaut. Der Verbrauch liegt aber seit Jahren über 65 Kilotonnen. Dass die Uranförderung Ende der 1950er Jahre rasant stieg, lag vor allem am Atom-Wettrüsten. Das hatte für die Kernkraft den Vorteil, dass Uran nicht verbraucht, sondern eingelagert wurde. Doch schon Anfang der 80er erreichte die Förderung mit etwa 70 Kilotonnen pro Jahr ihren Höhepunkt. Seither versiegen die leicht zugänglichen Vorkommen nach und nach, während sich der weltweite Uranverbrauch seit 1985 mehr als verdoppelte. Die Minen in Deutschland, Großbritannien und Frankreich, drei der Hauptverbraucher, sind seit fast zehn Jahren erschöpft. Frankreich, das 79 Prozent des Stroms von AKWs bezieht, muss sein Uran schon heute zu 15 Prozent aus Kasachstan und Usbekistan holen - und zu fast einem Viertel aus Afrika, wo Umwelt und Millionen Menschen verseucht werden.
Dennoch konnte der gesamte Uran-Abbau in den vergangenen zehn Jahren nur 60 bis 70 Prozent des Weltbedarfs decken. Die Lücke wird gefüllt durch Lagerbestände und abgerüstete Waffen. Wiederaufbereitete Brennstäbe bringen es auf nur vier Prozent des Weltbedarfs, Deutschland beendete die Wiederaufbereitung 2005. Das US-Energieministerium warnt bereits vor leeren Lagern: Ab 2018 müsse die USA fast ihr gesamtes Uran zukaufen.“
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